Leseproben

 

"Lausche dem Rhythmus der Worte,
schicke deine Gedanken auf Reisen,
dann wirst du den Zauber anderer Welten
entdecken."

 

Leseproben:

 


Allen Besuchern meiner Webseite wünsche ich viel Freude beim Entdecken, Lesen und Stöbern. Herzlichst Dorothea Möller

 

Blue Moon

Das Ereignis des blauen Mondes bedeutet, dass innerhalb eines Monats zwei Mal der Vollmond am Himmel erscheint, so wie wir es vor einigen Tagen erleben durften. Die Statistik besagt, dass in Vollmondnächten mehr Kinder geboren werden. Katzen würden vermehrt auf die Jagd gehen, ebenso würden mehr Verbrechen geschehen...

Alles nur Zufall oder Phantasterei?

Schon im Mittelalter wusste man, das Kinder, die unter dem geheimnisvollen "blauen Mond"  geboren wurden, "hellseherische Fähigkeiten" besitzen und man versuchte Vorzeichen zu deuten, oder etwas über die Zukunft vorherzusagen. War es nur Aberglaube? Oder war es vielleicht auch der Wunsch, die Besonderheit dieser Nacht hervorzuheben - wie bei den Sonntagskindern die Gabe "Geister sehen zu können"?

Was geschehen kann, wenn ein Sonntagskind unter dem "blauen Mond" geboren wird...? Die Geschichte Fluch oder Segen - Gabe oder Glück erzählt davon...

 

 

 

Fluch oder Segen - Gabe oder Glück?

Schon als junges Mädchen fiel es Marietta nicht leicht, sich auf die Schule zu konzentrieren. Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab, so dass sie allenfalls befriedigende Noten erhielt. Die Welt abseits von Schule und Verpflichtungen gegenüber den jüngeren Geschwistern und lästigen Pflichten auf dem kleinen Bauernhof waren verlockender. Marietta brannte darauf Abenteuer zu erleben. So wusste sie, wo sich die besten Stellen für Waldhimbeeren und andere Früchte befanden, doch oft machte sie sich abseits der Wege auf die Suche. Eine Vorahnung sagte ihr, wo sie suchen musste, wobei sie meist Recht behielt.

Während der Kriegszeit erkrankten viele Kinder an Diphterie, auch sie und ihre Geschwister. Sie hatte eine plötzliche Eingebung, dass sie genesen würden, wenn sie getrocknete Blaubeeren einweichen und verzehren würden. Ihre Vorahnung traf zu. Als dem Pfarrer die Geschichte zu Ohren kam, stattete er der Familie einen Besuch ab. Er befragte das junge Mädchen, wollte Einzelheiten erfahren. Argwöhnisch hörte er sich ihre Geschichte an. Alles, was er sich nicht auf vernünftige Weise erklären konnte, war absonderlich für ihn. Der Geistliche verlangte von Marietta vier Wochen lang, nach jeder Sonntagsmesse eine Stunde in der Kirche zu beten.

Marietta fühlte sich bestraft, obwohl ihre Eingebung so vielen Menschen in der Nachbarschaft geholfen hatte. Am dritten Sonntag traf sie auf eine Bäuerin der Nachbargemeinde. Sie kniete sich neben sie in der Bank nieder. "Sag mir Kind", begann sie leise das Gespräch, "hast du manches Mal das Gefühl, du weißt, dass gleich etwas besonderes geschehen wird und kurz darauf passiert es wirklich?"

Marietta schaute erstaunt auf und nickte aufgeregt.

"Dann verfügst du über den 7. Sinn mein Kind. Daran ist nichts verfängliches. Den meisten Menschen ist diese Gabe abhanden gekommen, in sich hinein zu horchen und zu beobachten."

Mit großen Augen sah Marietta die Bauersfrau an.

"Woher wisst Ihr das?", fragte sie schüchtern.

"Weil auch ich diese Gabe habe. Nimm sie an - es ist ein Geschenk. Man sagt, dass sie den Menschen zuteil wird, die unter dem zweiten Vollmond eines Monats geboren wurden. Frag deine Mutter, ob es in deinem Geburtsmonat zwei Monde gab, damit du sicher bist."

Die Alte nickte ihr freundlich zu und verließ die Kirche.

Marietta war ein Sonntagskind, geboren unter dem zweiten Vollmond. Im Laufe der Zeit lernte sie, dass es nicht immer gut war, all sein Wissen zu offenbaren.

Je älter sie wurde, umso mehr Eingebungen hatte sie. Als sie und ihre Geschwister zu Beginn der fünfziger Jahre regelmäßig zu Tanzveranstaltungen in das Nachbardorf gingen, beschlich sie oft eine unbegründete Angst, wenn sie spät Abends durch den Wald heimwärts wanderten. In einer Sommernacht nach Mitternacht geschah etwas unglaubliches:

Kurz hinter dem Zufluss eines kleinen Bachlaufs wurde ihr trotz sommerlicher Temperaturen kalt. Sie begann zu schlottern, klapperte sogar mit den Zähnen, so dass ihr älterer Bruder aus Sorge, sie würde krank werden, seine Jacke überließ. Rasch gingen sie weiter.

"Wir werden verfolgt", wiederholte sie einige Male und sah sich gehetzt um, bis sie schließlich zu laufen begann. Entgeistert schüttelten ihre Geschwister den Kopf und fürchteten, dass ihre Schwester ernsthaft erkrankt sei.

Auf einer großen Waldlichtung mit Blick auf den See erstarrte Marietta. Unfähig ein Wort zu sagen, hob sie die Hand und zeigte auf den Wiesenpfad vor dem See. "Da ist nichts, lass uns weitergehen", sagte ihre jüngere Schwester und ging einige Schritte vorwärts. Mit einem Mal spürte sie unmittelbar neben sich einen Luftzug, als würde direkt neben ihr ein Mensch vorbei laufen. Überrascht schaute sie sich um, entdeckte aber niemanden. Ein wenig mulmig war ihr schon, als sich mit einem Mal auch der Gesichtsausdruck ihres Bruders veränderte.

Er fasse seine Schwestern am Unterarm und zerrte beide mit einer groben Bewegung fort. Er trieb sie zu großer Eile an, so dass sie den restlichen Heimweg rannten. Am Folgetag wollte die jüngere Hiltrud wissen, was es mit dem unheimlichen Verhalten ihrer Geschwister auf sich hatte. Doch keiner der beiden wollte ihr etwas erzählen. Hiltrud spürte, beiden war es unbehaglich darüber zu reden. so fragte sie die Mutter, ob einer der Geschwister etwas erzählt habe. Einen Augenblick schaute ihre Mutter sie überrascht an. Fragte dann aber: "Seid ihr durch den Wald zurückgegangen?"

"Ja, warum?"

Es geht die Sage, dass um Mitternacht unten am Nebelzufluss zum See in Vollmondnächten ein Gesit zu sehen sei. Es war ein junger Adeliger, der gewaltsam zu Tode kam. Er zeigt sich nur Sonntagskindern."

"Konrad verhielt sich genauso merkwürdig wie Marietta."

"Deine Geschwister wurden beide an einem Sonntag geboren. Diesen Menschen sagt man nach, dass sie Geister sehen können."

"Im Laufe der Jahre wurde der Geist des jungen Mannes auch von anderen Menschen gesehen. Man erzählte sich von zwei rivalisierenden Reitern an der Wasserscheide vor dem See, von denen einer den Kopf unter seinem Arm trug und der andere mit seinem Schwert versuchte, die Menschen von der Brücke fernzuhalten. Marietta hatte die Gefahr gespürt, ehe sich einer der beiden Geister zeigte.

Noch immer berichten ortsansässige von merkwürdigen Nebel- und Geistererscheinungen rund um den See. Marietta und ihre Geschwister vermieden zeitlebens den Wald nach Mitternacht zu durchwandern.

Erst kurz vor ihrem Tod erzählte Marietta, dass einer der Geister mit ihr gesprochen habe. Von ihm erfuhr sie, dass Kinder des zweiten Mondes die Gabe der Geisteransprache besitzen...!

 

 

 

 

 

 

 

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Winterfreuden

Die Winter in Mecklenburg-Vorpommern kamen ot überraschend über Nacht. Dauerfröste mit Glatteis mit Schnee ließen die Menschen in ihren Häusern verharren. Die Zweige der Bäume erzeugten den Eindruck, als seien sie mit Puderzucker bestäubt, doch bald drohen sie unter der Schneelast abzubrechen, als es weiterschneite. Nur selten trauten sich die Dorfbewohner aus dem Hausoder den Nachbarort um Einkäufe zu erledigen.

Meine Großmutter hatte einen größeren Vorrat mit Grundnahrungsmitteln daheim, um in dieser Zeit nicht das Haus verlassen zu müssen. Glücklicherweise gab es ihre lieben, fürsorglichen Nachbarn, die ihr frisches Brot einkauften, oder sie mit Holz aus ihrem Schuppen versorgten. Anfang der neunziger Jahre gabe es wieder einmal solch einen plötzlich einbrechenden Winter. In jenem November besuchten wir unsere Großmutter in Mecklenburg. So einen Wintereinbruch hatten wir seit Jahren nicht erlebt. Allein die Wege rund ums Haus bis zum Schuppen freizuschaufeln, benötigten wir über eine Stnde. Sie Luft war kalt und klar, der Atem gefror beim Ausatmen und wir kamen rasch ins Schwitzen.

Auch das Förstereheoaar schaufelte an diesem Morgen wahre Schneeberge zur Seite, um die Stallungen begehbar zu machen. Unsere Omi blieb derweil im Haus und bereitete das Frühstück für uns vor. Dann rief sie uns an den gedeckten Tisch. Wir genossen Brot, selbst hergestellte Marmeladen, frisches Rührei und Sülze aus ihrem Winterfundus, wie sie ihre eingekochten Fleischvorräte nannte.

Das es so viel Schnee gab, kamen unsere Männer auf eine Idee. Als die Futterkrippen im Wald mit Heu, Mais und Kastanien gefüllt waren, bauten sie draußen eine Schneebar. Immer wieder holten sie warmes Wasser um alles in Form zu bringen und zu festigen. Als die Dämmerung hereinbrach, hatten sie ihre Bar fertig gestellt und mit Wodka bestückt. Omi hatte Glühwein in einer großen Thermoskanne für uns, der Grill wurde angeheizt und Bratwürstchen in frisch gebackenen Brötchen serviert. Unsere Omi erhielt zur "Feier des Wintereinbruchs" einen Ehrenplatz Der Strandkorb stand an einer freigeschaufelten Stelle und war mit dicken Decken gepolstert. Zum Wärmen der Beine erhielt sie ein Schafffell und saß dort glücklich und zufrieden in der Nähe des Grills.

Später sagte sie uns: "Kinderchen, ich habe in meinem Alter schon so manches erlebt, doch noch nie habe ich im Winter an einer Schnee-Bar in einem Strandkorb gesessen! Ihr seid vielleicht ein verrücktes Völkchen, aber es macht mir sehr viel Freude bei Euch zu sitzen."

Meine Großmutter ist vor vielen Jahren verstorben, doch den Wintereinbruch zelebrieren wir seit dieser Zeit mit Glühwein und Grillwürstchen. Seit einigen Jahren sogar im Strandkorb. Für die Schneebar war der Schnee in den vergangenen Jahren nicht ausreichend, aber wir erinnern uns gerne an jenen Abend in Mecklenburg zurück.

"Für alle ideenreichen Verrückten"

 

 

 

Am 1. September fand im Dortmunder Depot im Rahmen von JoDo unplugged das Betriebsfest der besonderen Art mit allen angeschlossenen Betriebsstätten und Einrichtungen statt. Mehrere Kollegen baten mich, wenigstens eine der vorgetragenen Geschichten meiner Lesung auf der Webseite einzustellen. Ich freue mich, dass Sie/Ihr meinen Geschichten so viel Interesse entgegenbringt. Die nachfolgende Geschichte gehörte zum Programm.

"Die Nebelritter"

Im zehnten Jahrhundert stand Ritter Johann von Auenthal im Dienste der Kirche. Er war als Kirchenbote für Äbte und Bischöfe unterwegs, um wichtige Dokumente und Nachrichten weiterzuleiten. Gerade erst war er von Freiburg nach Konstanz zurückgekommen und nahm Quartier in einer kleinen, schlichten Herberge, um sich nach dem anstrengeden Ritt auszuschlafen.

Es war Spätherbst. Das Laub der Bäume war durch die Kälte bereits herabgefallen.

Johann sehnte sich nach Ruhe und Wärme, da er oftmals im Freien übernachtete. Nur selten gönnte er sich eine Herberge. Er sparte seinen Sold für das schlecht gehende Gut des Vaters, welches er geerbt hatte. Sein jüngerer kränklicher Bruder konnte es mehr schlecht als recht verwalten. Johann hoffte, schon bald genügend Sold erspart zu haben, um all die anstehenden Reparaturen zahlen zu können. Irgendwann einmal wollte er dorthin zurückgehen, um sich dort niederzulassen und eine Familie zu gründen. Mit diesen rosigen Zukunftsträumen legte er sich auf das schmale Lager und schlief bald ein.

Am Folgetag klopfte der Herbergsbesitzer früh an seine Kammertüre. Er kam in Begleitung eines Mönchs.

"Entschuldigt bitte..., Herr Ritter. Ich weiß, Ihr wolltet nicht vor dem Mittagsmahl gestört werden..., doch der Mönch hier hat eine Sache von großer Dringlichkeit...", stotterte er verlegen.

Der kleine drahtige Mönch hat nicht vor, sich mit seinem Anliegen abweisen zu lassen und sprach sofort freundlich drauflos.

"Gott zum Gruße, Herr Ritter. Ich habe ein Dokument von unserem Abt, welches umgehend zur Insel Reichenau in die Hände des Abtes Witigo gelangen muss!"

"Auch Euch ein Gott zum Gruße", erwiderte Johann höflich aber noch verschlafen. "Erst gestern kam ich aus Freiburg - mein Gesäß hat sich von den Strapazen des strammen Ritts immer noch nicht erholt", lächelte er entschuldigend.

"Hat das Dokument nicht noch ein wenig Zeit? Es soll kälter werden... und seht Euch um, der Nebel verdichtet sich.

"Es soll Euer Schaden nicht sein, die Bezahlung ist mehr als gut und vor dem Frühjahr wertet Ihr gewiss keinen Auftrag erhalten...". Dabei legte der Mönch mit einem freundlichen Lächeln einen Lederbeutel auf den Tisch.

"Darin sind Goldmünzen - Bedingung ist jedoch, dass Ihr noch heute aufbrecht!", sagte er bestimmt.

Wortlos ging Johann zum Tisch und öffnete den Lederbeutel - schätzungsweise zweiundzwanzig Münzen lagen im Beutel.

 

Er dachte einen Monent an seinen Bruder und das Erbe..., dann fiel ihm die Entscheidung nicht schwer.

"Gut, ich bin Euer Mann! Doch ich benötige ein frisches Pferd, die Kosten für das Pferd trägt allerdings Euer Abt!"

"Einverstanden." Zufrieden nickte der kleine Mönch und händigte ihm das Pergament aus. Danach verabschiedete er sich rasch von Johann, um nach einem geeigneten Pferd Ausschau zu halten.

Gegen Mittag erschien ein Pferdeknecht mit einem edlen Reittier vor der Herberge und übergab es Johann.

Dieser machte sich sogleich auf den Weg und übernachtete in einem Waldstück. Der Wald wurde von den Einheimischen auch Gespensterwarld genannt. Johann lächelte über den Aberglauben der Bauern und Tagelöhner.

Er sammelte trockenes Holz und entfachte ein kleines Feuer um sich ein wenig daran aufzuwärmen. Kurz darauf drehte er sich, an einen Baum lehnend, in seinen Tuchmantel ein.

Er erwachte durch ein klirrendes Geräusch, so als würden Schwertklingen aufeinander prallen. Müde rieb er sich die Augen.

Das Feuer war heruntergebrannt. Als er sich umblickte war jedoch niemand zu sehen.

Verstärt schüttelte er den Kopf. Dann drehte er sich um, um weiterzuschlafen, als das Geräusch erneut erklang. Dieses Mal jedoch erschien es ihm wesentlich näher. So stand er auf, ging unruhig einige Schritte umher.

Nach wenigen Metern sah er auf einer kleinen Lichtung im Mondschein zwei schemenhafte Gestalten miteinander kämpfen. Sie umschlichen sich vorsichtig und kämpften mit Schwertern. Beide wirkten unnatürlich bleich im Licht des fahlen Mondes, wobei ihre Rüstungen silbern schimmerten. Fasziniert sah Johann ihnen zu.

Ihre Kampfkunst war ausgefeilt. Beide beherrschten ihre Schwerter mit einer Leichtigkeit, als hätten sie kaum Gewicht. Johann war so vertieft in das Schauspiel, dass er nicht mehr an Schlaf dachte. Die gespenstische Kulisse im fahlen Mondlicht zwischen den Nebelfeldern zog ihn in einen folgenschweren Bann.

Plötzlich sah einer der kämpfenden Ritter zu ihm hinüber und senkte sein Schwert. Der andere tat es ihm gleich und sah ebenfall zu Johann. Sie öffneten ihre Visiere um augenscheinlich besser sehen zu können und starrten ihn an.

Johann erschrak zutiefst. Dei beiden Ritter blickten ihn aus hohlenlosen Augen an. Knochen schauten aus dem Helm hervor und schlagartig wurde ihm bewusst, dass er Geisterritter vor sich sah... und noch etwas fiel ihm ein, es war Allerheiligen...

... "Jene Nacht, in der die Toten durch die Pforte der Welten in die der Lebenden kommen...", dachte er entsetzt.

Er rannte los, gehetzt schwang er sich in den Sattel und ritt in Windeseile los. Die beiden Ritter folgten ihm. Sie saßen auf schwarzen Pferden, die im Nebelschein mit ihren Hufen kaum den Boden zu berühren schienen.

Sie jagten Johann durch den Wald bis zum Wasser. Doch es war kein Wasser mehr zu sehen. Vor ihm lag der gefrorene Bodensee im Nebel, eingehüllt vom Silberschein des Mondes und die Reiter dicht auf seinen Fersen.

Johann bekreuzigte sich und betete inständig zu Gott, dass er die gespenstischen Reiter abhängen könnte.

Er gab seinem Pferd die Sporen und ritt über das Eis. Der Abstand zwischen ihm und den Nebelrittern wurde immer kleiner Johann wagte nicht, sich umzudrehen, tat es dann aber doch... In diesem Moment gab das Eis unter ihm nach. Mann und Ross versanken in den Fluten des Bodensees unweit der Insel Reichenaus.

An dunklen, nebeligen Herbsttagen, meist in der Nacht zu Allerheiligen, sieht man oftmals drei Nebelritter über den Bodensee reiten...

 

 

"Versäumte Momente"

Mit ihren sechsundachtzig Jahren war sie geistig wie körperlich immer noch recht fit zu nennen. Klar, das Auf- und Abhängen von Gardinen sollte sie tunlichst vermeiden, hatte der Arzt ihr gesagt, doch an „Wohlfühltagen“, kam es durchaus vor, dass sie es trotzdem tat und sogar auf die Leiter stieg.

Das Ergebnis ihrer Mühen wurde von ihren Kindern jedoch weder bestaunt noch gelobt, sondern gescholten. Die erwachsenen Kinder verstanden sie nicht. Wollte sie doch noch so viel wie möglich allein bewerkstelligen – so wie früher - als ihr alles noch flotter von der Hand ging und sie nicht ständig um etwas bitten musste...

Schlimm waren jene langen, dunklen Herbst- und Wintertage, an denen sie nicht viel tun konnte. Das Tageslicht war trübe, der Tag zog sich, für sie war er qualvoll und lang. Nein, diese Jahreszeit empfand sie oftmals als langweilig. Das Lesen bei Lampenlicht ermüdete die Augen, an der Nähmaschine sah sie kaum noch etwas im winzigen Licht der kleinen Nähmaschinenbeleuchtung, geschweige denn einen Faden konnte sie einfädeln. Das Häkeln und Stricken ging ihr nicht mehr so gewandt von der Hand und manches Mal, fielen ihr einige Maschen vom Nadelspiel, besonders beim Wechsel zwischen vier Nadeln. So verlor sie nach und nach die Lust daran, für ihre Enkel Sökchen oder Fäustlinge zu stricken.

Einwecken oder Einkochen musste sie für sich allein auch nichts mehr, andernfalls es gab ja Tiefkühlgeräte wo die Sachen frisch hineingelegt wurden.

Das mühevolle Teig kneten um Brot zu backen erledigte die Küchenmaschine für sie. Außerdem gab es selbstgebackenes Brot allenfalls an besonderen Festtagen.

 

Ja, die Zeit hatte sich gewandelt, ebenso wie ihr Geist und ihr Körper: Sie hatte Arthrose in den Gelenken, die Beweglichkeit ließ nach und alles, was sie tat erforderte mehr Zeit. Wie oft hatte sie sich als junge, berufstätige Frau mehr Freizeit zwischen Familie und Beruf gewünscht? Jetzt hatte sie diese freie Zeit, doch alles dauerte länger. Sie konnte die vielen fehlenden Stunden nicht nachholen oder nacharbeiten, auch war es ihr nicht möglich die Zeit zurückzudrehen, ihre „Wohlfühltage“ zu verlängern, oder gar anzuhalten.

So sehnte sie sich nach den Tagen zurück, wo sie unbeschwerter gelebt hatte, zum Beispiel ohne Schmerzen. Mit dem Alter kamen die Beschwerden, die Einsamkeit und irgendwann auch die Vergesslichkeit, vor der sie sich so sehr fürchtete. Denn nun hatten ihre Kinder kaum Zeit für sie. Nur zu gern hätte sie ihnen gesagt, nehmt Euch mehr Zeit zum Leben, zum Genießen, zum Freuen. Einfach nur um Euch später erinnern zu können, an den Zauber eines besonderen Augenblicks. Einen Augenblick in Eurem Leben, von dem Ihr im Alter oder sogar den Rest Eures Lebens zehren könnt... Oder war es ihre Wahrnehmung, die ihre Tage so lang und öde erscheinen ließ?

Lebenszeit sollte in schönen Momenten, dem Lachen und mit dem Herzen gemessen werden, dachte sie und schlief ermattet ein. Mit  einem beseelten Lächeln auf den Lippen glitt sie hinüber in eine andere Welt. Ihre letzten Gedanken waren irgendwo, wo Zeit keine Rolle mehr spielte. Vielleicht war sie aber auch schon in der Ewigkeit, die ein ganz anderes Zeit-Potential hat...

(Diese Geschichte entstand im Rahmen einer Ausschreibung zum Thema Zeit)


"Wie man seinen Menschen erzieht..."

Endlich Herbst! Die heißen Sommertage sind vorüber, es regnet hin und wieder, die ersten bunten Blätter fallen. Natürlich nimmt das Nahrungsangebot ab. Es gibt weniger Mücken wie Käfer, auch die Läuse sterben langsam. Dennoch, ich liebe die kräftigen Herbstwinde, mit deren Hilfe die ich über den bewölkten Himmel segeln kann. Sie geben mir Auftrieb, so dass ich manch eine Libelle am Teich entdecke, ehe sie meine Mahlzeit wird... Das Obst ist größtenteils abgeerntet, ebenso die Trauben und nur wenige süße Früchte hängen noch in den höchsten Wipfeln der Bäume. Das Obst verdirbt langsam dort oben, aber es ist noch fressbar und wunderbar süß.

Bald schon hängen die Menschen Meisenknödel in die Äste oder stellen die Futterhäuschen auf. Sie füllen sie mit allerlei Leckereien und Saaten, damit wir nicht hungern müssen. Aber, wir Drosseln sind wählerisch. Alles mögen auch wir nicht.

Sonnenblumenkerne fressen wir zwar, doch das ist eher etwas für all die verschiedenen Meisenarten. Blau-, Kohl-, Hauben- und Tannenmeisen balgen sich um den besten Platz am Meisenknödel, zirpen und zwitschern um die Wette. Ab und zu fällt ein Schwarm Schwanzmeisen ein. So schnell wie sie auftauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Der Spuk ist rasch beendet.

Unsere Drossel-Familie ist schon lange in einem naturbelassenen Garten ansässig. Wir finden hier Deckung, Nistmöglichkeiten wie Nistmaterial, Wasser zum Trinken und Baden, aber auch ein großes Nahrungsangebot.

Mittlerweile haben wir unsere Menschen sogar dressiert! Sie wissen ganz genau, wenn wir zu ihnen auf die Fensterbank fliegen haben wir Hunger. Manchmal müssen wir uns aber auch bemerkbar machen, dann klopfen wir sachte mit dem Schnabel an die Glasscheibe.

Mal erhalten wir trockenes Brot, Brötchenkrümmel, Kuchen- oder Müslireste.

Im Müsli gibt es nicht nur Saaten wie Sesam oder Haferflocken, auch getrocknetes Obst von Äpfeln, Pflaumen und Mirabellen sowie Rosinen.

Mein persönlicher Favorit sind die süßen, saftigen Rosinen. Wenn ich Lust darauf verspüre, fliege ich auf die Fensterbank und bleibe dort so lange sitzen, bis mein Mensch mich entdeckt. Dann streiche ich mit dem Schnabel mehrfach über die Fensterbank und schaue ihn mit treuen Augen an. Meist versteht er schon, dass ich Appetit auf Rosinen verspüre und wirft mir die kleinen, klebrigen Leckerchen heraus.

Ich fresse sie rasch auf, ehe die Spatzen oder Finken "Wind davon bekommen" und mir selbige streitig machen wollen. Wenn ich fertig bin, fliege ich zunächst zur Tränke um etwas zu trinken, dann kehre ich zurück zur Fensterbank um mich zu bedanken. Schließlich bin ich eine gut erzogene Drossel. Als Dankeschön hinterlasse ich besten Dünger auf der gegenüberliegenden Seite der Fensterbank, denn auf der anderen Seite werde ich ja gefüttert....

 

 

"Erntedank und Gipfelstürmer"

Im Herbst bündelt die Natur noch einmal all ihre Kräfte. Sie tröstet uns mit ihrer rot-goldenen Farbenvielfalt, den Früchten und all ihrer Pracht über die vergangenen Tage des Sommers hinweg.

Die Generationen vor uns lebten näher an der Natur, insbesondere die, mit eigener Land- und Viehwirtschaft. Im Herbst wurde am meisten gearbeitet, aber auch gefeiert. Wenn die Blätter fallen, beginnen nach der Traubenernte die Winzerfeste und das Erntedankfest.

Die Früchte an den Bäumen scheinen zeitgleich zu reifen. Sie müssen geerntet werden, zu Mus und Marmelade verkocht, eingeweckt oder im Steintopf eingelegt werden, wie zum Beispiel Sauerkraut und saure Gurken.

Kartoffeln wurden bis in die fünfziger Jahre noch handverlesen und eingekellert. Es hieß, wer die Kartoffelernte im Keller hatte konnte Erntedank feiern.

In der bunten Jahreszeit reifen Bucheckern, Kastanien und Eicheln in den Wäldern. Wer ein Schwein im Stall hatte, konnte sich glücklich schätzen, doch nur wenige Tiere wurden im Winter durchgefüttert. Spätestens nach Allerheiligen wurde geschlachtet. Nur wer einen Nachzögling im Stall hatte, fütterte ihn auch in der Winterzeit durch. Die Waldfrüchte waren ein gutes Zubrot für die Tiere, insbesondere die Eichelmast. Esskastanien werden ebenfalls gesammelt und nach alten Rezepten in Kuchen verbacken oder einfach im Feuer geröstet. Wir kennen sie als Maronen von den Herbst- und Wintermärkten.

Beinahe alles, was die Natur hervorbrachte diente als Wintervorrat. Hasel- und Walnüsse, Pilze, Sanddorn und Hagebutten kamen zum Trocknen in die Ofenklappe. Schlehen oder andere Beeren wurden in Alkohol mit Zucker oder Honig eingelegt, damit Liköre daraus entstanden.

Erntedank ist eines der ältesten Herbstfeste, welches wir auch heute noch traditionell feiern. Ländliche Dorfkirchen begehen Erntedankfeiern mit Erntekronen oder Erntekränzen, althergebracht mit Obst- und Gemüsekörben oder Erntebildern die aus Körnern, Samen und Bohnen gearbeitet werden. Es sind wunderschön gestaltete Bilder mit einer unbeschreiblichen Leuchtkraft.

Frühdunst und Nebelschwaden bringen kühleres Wetter. Sie tauchen die Welt in mystische Facetten, die sich durch schräg einfallende Sonnenstrahlen verstärken. Das unwikliche Licht regt die Phantasie an. Märchen über Feen oder Elfen die jeden Augenblick aus deren Schatten treten, könnten so entstanden sein. Es wird früher dunkel. Spätestens bis zum Lichterfest an St. Martin sollte genügend Feuerholz gespalten und eingelagert worden sein, um dem kommenden Winter einzuheizen.

Aufkommende Winde begünstigen das Aufsteigen bunter Drachen, deren bunte Bänder hin und her tanzen. Man glaubte, es bringe Glück, wenn die Schnur des Windvogels riss, da er Sorgen, Ängste und Nöte in die Ferne tragen würde.

Der Herbst ist der furiose Abschied des Sommers.

 


Auszug aus

"Erasmus Silverius"

Merle saß in einer Ecke des Kindergartens und sah aus dem Fenster, während eine Träne über ihr Gesicht kullerte. Frau Buchhorn, die Erzieherin, wurde sofort aufmerksam. Wieder einmal hatte Merle sich von den anderen Kindern abgesondert, wie so oft seit dem Tod ihres Großvaters.

"Merle, geh doch auch nach draußen und spiele mit den anderen", versuchte sie das fünfjährige Mädchen zu überreden.

"Nein, ich mag nicht draußen spielen". Der entschiedene Unterton in ihrerer Stimme ließ keinen Widerspruch zu.

"Ich weiß ja, dass es ungewohnt für dich ist, bis zum Nachmittag hier zu sein, doch es geht im Augenblick nicht anders. Jetzt, da deine Mama wieder arbeitet, dein Papa ins Ausland reisen musste, und dein Opa...".

Frau Buchhorn kannte diese Reaktion bereits von Merle. Sie war traurig und je mehr man sich um sie bemühte, umso bockiger reagierte sie. Man konnte sie für nichts begeistern, sie erfreute sich auch nicht mehr an den Dingen, die ihr sonst gut gefielen.

Suchend sah Frau Buchhorn sich um. Vielleicht fand sie doch noch etwas, was Merle gefallen könnte. "Da war doch ein Buch...", überlegte sie, "nur, wo hatte sie es zuletzt gesehen?" Jetzt fiel es ihr wieder ein. Im Büro der Leiterin lag ein neues, recht hübsches Buch über einen Drachen. Es war zum Auseinanderklappen, in prächtigen Farben gestaltet, und der Drache hatte ein Fellkostüm zum Streicheln. Sie hoffte, es könnte Merle vielleicht gefallen. Rasch holte sie das Buch und setzte sich zu dem Mädchen auf das kleine Kuschelsofa.

"Schau nur, Merle, das Buch erzählt etwas über einen Wunschdrachen. Vielleicht kann auch er dir einen Wunsch erfüllen." Neugierig warf Merle einen Blick auf das Buch. Zögernd griff sie danach und streichelte vorsichtig über das lächelnde Gesicht des Drachen. Merle wurde geradezu magisch von dem Anlitz angezogen. Er sah so lieb und freundlich aus. Dabei machte er so gar nicht den Eindruck, als wäre er böse oder könnte Feuer spucken, wie die Drachen im Märchen.

Mit großen Augen öffnete sie das Buch, sah sich Seite für Seite an. Der kleine, lustig aussehende Drache trug eine Kappe auf seinen Kopf, Turnschuhe an seinen vier Füßen und schien ihr mit seinen dunklen, funkelnden Augen zuzuzwinkern.

Frau Buchhorn sah, dass Merle zufriedener und abgelenkt wirkte. So ging sie hinaus, da ein aufgeschlagenes Knie ihre volle Aufmerksamkeit erforderte. Merle konnte sich an dem niedlichen Drachen nicht sattsehen. Wieder und wieder schaute sie ihn sich an. Auf einmal blinzelte sie der Drache an und kniff plötzlich eines seiner Augen zu. Jetzt zwinkerte Merle - nein, das gab es doch gar nicht! Sie öffnete vorsichtig ein Auge und sah, das der kleine Kerl jetzt breit grinste, weil sie so ungläubig guckte. Sie beugte den Kopf ganz tief hinunter, um ihn sich noch genauer anzusehen, als er plötzlich flüsterte: "Kann ich zu dir nach Hause mitkommen?"

Vor Schreck ließ das Mädchen das Buch fallen und rutschte sofort unter den Tisch, um es wieder aufzuheben. "Autsch, das hat weh getan", beschwerte sich der Drache. "Du musst schon ein wenig vorsichtiger mit mir sein! Also, kann ich mit zu dir nach Hause?"

Merle nickte, war aber immer noch sprachlos. Sie überlegte, wie sie es anstellen konnte, das Buch mitzunehmen, ohne dass die anderen Kinder oder die Erzieherin es bemerkten. Suchend sah sie sich um. Alle waren nach draußen gerannt, weil das Geschrei von Julian laut zu hören war. Er machte immer etwas mehr Geschrei als andere Kinder, dafür war er schon bekannt. Merle klappte das Buch zu, murmelte leise: "Entschuldigung, ich wollte dir nicht wehtun", und lief in den Flur. Dort, wo die Haken für ihre Taschen angebracht waren, packte sie es in Windeseile in ihren Rucksack.

Sie konnte kaum das Ende des Tages abwarten, an dem ihre Oma sie abholte. Die Erzieherin hatte am Ende des Tages durch all die Aufregungen das Buch komplett vergessen.

Am Abend saß Merle in ihrem Bett und fischte das Buch aus ihrem Rucksack.

"Das wurde aber langsam auch Zeit", beklagte sich der kleine Drache vorwurfsvoll.

"Es ging nicht früher...!"

"Ja, ja, mit mir kann man es ja machen", murrte der kleine Drache. Doch dann besann er sich und sagte: "Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Erasmus Silverius, das bedeutet Der Liebenswürdige aus dem Wald, und wie heißt du?"

"Merle".

"Merle? Nur Merle? Hmm, das bedeutet da wo ich herkomme Amsel, aber du bist kein Vogel!" ..... (Fortsetzung)

Anmerkung:

Die Geschichte erschien im Net-Verlag in der Anthologie: "Die Reiseabenteuer des Drachen"

Im Fokus meiner Geschichte liegt die Trauerbewältigung bei jüngeren Kindern. Kinder gehen im Allgemeinen mit dem Wort Tod, sowie den Ausmaßen völlig anders als Jugendliche bzw. Erwachsene um. Tod ist für sie ein abstrakter Begriff - z. B. ein Mensch verlässt einen Raum und ist nicht sichtbar oder gerade nicht da. Geholfen haben mir hierbei eigene Erfahrungen sowie Gespräche mit einer Trauerbegleiterin.

 

 

"Sammelleidenschaft"

Meine Großmutter lebte in Mecklenburg-Vorpommern und ich wuchs damit auf, dass jeden Monat ein Päckchen nach „drüben“ geschickt wurde. Ein wichtiger Bestandteil dieser Päckchen war immer ein Pfund Kaffee. Es war stets ein guter Kaffee, weil meine Oma in der ehemaligen DDR keinen Kaffee in der Nähe kaufen konnte und auch nicht über die entsprechende Rente verfügte, sich selbigen leisten zu können.

Als Kind war ich stolz darauf, auch irgendwann den Kupferkessel vom alten Ofen benutzen zu dürfen und damit einen Kaffee zu brühen. Sie erzählte mir dabei, dass es drei Dinge gibt, die allein für das Zubereiten eines guten Kaffees wichtig wären:

Kaffee muss heiß sein, wie die Liebe!

Schwarz wie die Nacht!

Und süß wie Zucker!

Zu einem runden Geburtstag schenkte sie mir eine wunderschöne Sammeltasse mit einem Perlmuttschimmer. Als ich sie fragte, wie sie ausgerechnet auf diese recht ausgefallene Geschenkidee gekommen sei, erklärte sie mir ihre "Philosophie des Kaffeetrinkens", wie sie es nannte:

Jede Porzellanmanufaktur hat eine bestimmte Zusammensetzung ihrer Ingredienzien, die das fertige Produkt ausmachen. Ebenso ist es beim Kaffee. Es gibt unendlich viele Sorten, Röstverfahren, Filtermöglichkeiten und Wassertemperaturen sowie Brühvariationen. Als Kaffeetrinker würde ich sehr bald bemerken, was mir persönlich wichtig wäre. Welche Sorte Kaffee ich bevorzuge, aus welcher Tasse ich ihn trinke. Allein die Form der Tasse entscheidet darüber, wie sich ein Aroma entfalte. Wenn die Tasse hoch und schlank sei, würde sich nur ein wenig der Duft-Blume öffnen, das Aroma käme dezent zur Geltung. Bei einer breiten Schalentasse käme das Aroma schneller an die Oberfläche und würde sich rascher ausdehnen, ebenso kühlt das Getränk schneller ab. Die Wandungen der Tassen entscheiden über ein schnelles Auskühlen oder über ein wärmendes Gefühl....

Die vollständige Geschichte ist im Elbverlag eschienen

 

 

"Gärtnerfreud, Gärtnerleid..."

Der Frühling ließ in diesem Jahr wieder lange auf sich warten. Mal Regen, mal Schnee, dann wieder Hagel. Stellenweise gab es auch sonnige Abschnitte, doch es sah eher nach Winter als Frühling aus. Selbst die bunten Eier am Apfelbaum konnten den Frühling nicht anlocken. Dabei lugten ganz verschüchtert bereits die ersten Krokusse aus der Erde und vorsichtig schoben sich die noch festen, grünen Blütenansätze von den Tulpen aus satt grünen Blättern ans Licht. Es schien als wartete die Natur nur auf ein geheimes Signal. Die ersten Vögel begannen hin und wieder ein Lied zu trällern und vereinzelt sah man Spatzen oder Meisen mit einem Zweig oder weichem Nistmaterial im Schnabel. Trauten sie sich wirklich schon jetzt ihr Nest zu bauen? Die Tauben auf dem Dach gurrten bereits am frühen Morgen und auch Herr und Frau Drossel begannen ihre neckische Jagd, die meist mit einem Happy-End endete, so lange kein Rivale auftauchte.

Doch an einem Morgen war es soweit, die Sonne ging auf und schien beinahe den ganzen Tag. Die Krokusse öffneten sich und ein zarter Duft lag in der Luft. Auch der Apfelbaum zeigte seine ersten festen Knospen. Die wärmende Sonne schien das Signal zu sein, auf das Tiere und Pflanzen so lange gewartet hatten. Die Wiese zeigte sich mit blühenden Gänseblümchen und auch das Moos am schattigen Seitenrand leuchtete in einem kräftig-sattem Grün. Die Osterglocken öffneten sich im Laufe des Tages und zeigten sich in leuchtendem Gelb. Aber auch anderes "Grünzeug" war auf dem Vormarsch: Der erste Löwenzahn und Ansätze von "Unkräutern" zeigten sich zwischen den Gehwegplatten.

Wobei es offiziell keine "Unkräuter" gibt. Sie sind eigentlich Gewächse, für die wir nur noch keine Verwendung gefunden haben...

Alle Rechte für die hier aufgeführten Werke und Texte liegen bei Dorothea Möller

 

 


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