Leseproben

 

"Lausche dem Rhythmus der Worte,
schicke deine Gedanken auf Reisen,
dann wirst du den Zauber anderer Welten
entdecken."

 

Leseproben:


Allen Besuchern meiner Webseite wünsche ich viel Freude beim Entdecken, Lesen und Stöbern.

Herzlichst Dorothea Möller

 

 

Erntedank und Gipfelstürmer

Im Herbst bündelt die Natur noch einmal all ihre Kräfte. Sie tröstet uns mit ihrer rot-goldenen Farbenvielfalt, den Früchten und all ihrer Pracht über die vergangenen Tage des Sommers hinweg.iv

Die Generationen vor uns lebten näher an der Natur, insbersondere die mit eigener Land- und Viehwirtschaft. Im Herbst wurde intensiv gearbeitet, aber auch gefeiert. Wenn die Blätter fallen, beginnen nach der Traubenernte die Winzerfeste, sowie das Erntedankfest.

Die Früchte an den Bäumen scheinen zeitgleich zu reifen. Sie müssen geerntet werden, zu Mus und Marmelade verkocht, eingeweckt oder im Steintopf eingelegt werden, wie zum Beispiel Sauerkraut, saure Gurken oder Salzbohen.

Kartoffeln wurden bis in die fünfziger Jahre noch nach Größe handverlesen und später eingekellert. Es hieß, wer die Kartoffelernte eingebracht hatte, konnte Erntedank feiern. In der bunten Jahreszeit reifen Bucheckern, Eicheln und Kastanien in den Wäldern. Wer ein Schwein im Stall hatte, konnte sich glücklich schätzen, doch nur die wenigsten Tiere wurden im Winter durchgefüttert. Spätestens nach Allerheiligen wurden sie geschlachtet. Wer allerdings einen Nachzögling im Stall hatte, fütterte ihn  im Winter durch. Die Waldfrüchte waren ein gutes Zubrot für die Tiere, insbesondere die Eichelmast. Auch Esskastanien wurden gesammelt und nach alten Rezepten in Kuchen verbacken, oder einfach im Feuer geröstet. Wir kennen sie als Maronen von den Herbst- -und Wintermärkten.

Beinahe alles, was die Natur hervorbrachte diente als Wintervorrat. Hasel- und Walnüsse, Pilze, Sanddorn und Hagebutten, Schlehen oder andere Beeren für Liköre in Alkohol eingelegt.

Frühdunst und Nebelschwaden bringen kühleres Wetter. Die Vögel ziehen fort, Fledermäuse suchen ihre Winterquartiere auf.

Sie tauchen die Welt in mystische Facetten, die sich durch schräg einfallende Sonnenstrahlen verstärken. Das unwirkliche Licht regt die Phantasie der Menschen an. Märchen über Feen und Elfen, die jeden Augenblick aus dem Schatten treten, könnten so entstanden sein. Spätestens bis zum Lichterfest an Sankt Martin sollte genügend Feuerholz gespalten und eingelagert sein.

Aufkommende Winde begünstigen das Aufsteigen der Drachen, deren bunte Bänder hin und her tanzen. Früher glaubte man es bringe Glück, wenn die Schnur des Windvogels riss, da er Sorgen, Nöte und Ängste in die Ferne tragen würde.

Der Herbst ist der furiose Abschied des Sommers.

 

 

Septemberträume

Während meiner Kinder- und Jurgenzeit verbrachte ich viele Ferienzeiten bei meiner Großmutter in Mecklenburg, so auch im Herbst. Ende September und Anfang Oktober war für mich dort die schönste Zeit. Die Tage wurden kürzer, dennoch waren sie oftmals angenehm warm. In dieser Zeit feierten wir das Erntedankfest in der prächtig geschmücken Dorfkirche und brieten Kartoffeln im abgeblühten Laub der Kartoffelpflanzen. Manchmal durften wir Kinder auch allein an den See zum Angeln oder sammelten im Wald Pilze, die der Förster für uns kontrollierte. Die Pfifferlinge brieten wir mit Speck, Zwiebeln und Rührei, ebenso aßen wir kleine panierte Fische, die wir vorab selbst entgrätet hatten. Aus den gesammelten Eicheln, Kastanien, Bucheckern oder Haselnüssen bastelten wir kleine Kunstwerke. Anschließend schimpfte Oma jedes Mal über ihren arg reduzierten Streichhölzervorrat...

Sonnenstrahlen, die am Morgen schräg auf die zarten Spinnweben zwischen die Rosen im Vorgarten fielen, wirkten wie Gespinste von Feenhand gewebt. Die Luft und die Gewässer wurden klarer, die rotgoldenen Blätter der Bäume rund um den See spiegelten sich farbenprächtig im Wasser, ebenso das Schilf.

Nebel kroch über Wiesen und Felder, wie ein Kater auf Beutezug. Ein letztes buntes Spektakel bevor das Grau des Novembers und die Tristesse von Raureif und Regen Einzug in die Natur hielten. Die Hirsche röhrten im Wald und der dichte Nebel, der über dem Wald hing, hatte etwas Eindrucksvolles. Manchmal träumte ich vor mich hin, dass Hänsel und Gretel aus dem Wald kämen, oder andere Märchengestalten.

Unsere Großmutter verwöhnte uns mit Köstlichkeiten aus ihrem Garten. Es gab Beeren aller Art zum Vanillepudding und für die Erwachsenen an den Abenden einen selbstgemachten Likör oder Fruchtwein. Von ihr haben wir Enkelkinder vieles gelernt - nicht nur Pfefferminze sammeln, sortieren und trocknen. Vielleicht kommt daher meine Liebe zum Einwecken und Konservieren. Es wurde gebacken, eingeweckte Gläser immer wieder kontrolliert und die letzten Mohrrüben sowie der Porree in einer Kiste mit Sand eingelagert. Sie kochte mit uns aus Brombeeren, Sanddorn und Hagebutten Marmelade und wir durften das Holz aufstapeln, welches sie aus dem Forstbetrieb günstig einkaufen konnte.

Ab und zu verirrte sich ein Igel in den Garten, der liebevoll von Zecken befreit wurde, um danach in die Freiheit entlassen zu werden. Im Herbst wird es stiller in der Natur und wir besinnen uns, wie die Tiere, auf den Rückzug. Ein letzter bunter Jahresreigen endet, ehe der Winter kommt.

 

Erschienen ist die Geschichte in dem Band - Goldener Herbst  - aus dem Elbverlag im Oktober 2012

 

 

(Die Geschichte Wohnungssuche fällt in die Kategorie Kolumne)

 

Wohnungssuche

 

Selten gab es so viele Wohnportale oder Immobilienvermittler wie in der heutigen Zeit.

Die Spezifikation startet bei Singlewohnungen oder Studentenräumlichkeiten, WG´s, über behindertengerechte oder barrierefreien Wohnraum, familienfreundliches Wohnen bis hin zum gehobenen Appartement, Loft oder der Etagerie.

Auswahl scheint laut dieser Firmen ausreichend vorhanden zu sein, die Möglichkeiten schier unerschöpflich.

Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße, wenn es tatsächlich zu einem Besichtigungstermin kommt. Gefühlte siebzig Mitbewerber werden eingeladen und manch ein Vermieterfragebogen geht mit den Fragen nach Zusatzverträgen als Absicherung bei drohender Arbeitslosigkeit, oder Kinderwünschen, extrem in nebulös erlaubte Details. Teilweise werden die Wohnungen so geschickt fotographiert oder in Szene gesetzt, dass sie auf Fotos oder Hochglanzbroschüren erheblich geräumiger wirken, als sie sind. Der Garten, der gerne mitgenutzt werden darf, entpuppt sich als Steinwüste vor dem Haus, auf der gerade mal eine Bierzeltgarnitur Platz findet und der angepriesene Balkon in Südwestlage taugt im Winter lediglich zum Kühlen von Getränken, weil lediglich zwei Stühle darauf Platz finden.

 

Auch bei der Häusersuche stößt man nicht ausschließlich auf Perlen...Zugegeben, Haken und Ösen gibt es in jedem Vertrag – Pferdefüße sollte man jedoch im eigenen Interesse vermeiden.

Das Haus in ruhiger Lage direkt neben dem Friedhof löst bei den meisten Leuten allenfalls ein müdes Lächeln aus. Ein Reihenhaus direkt an der Rückseite eines Bahndamm gehört meines Erachtens ebenfalls nicht in diese Kategorie. Daran ändert auch der alte Baumbestand in der Nähe nichts. Unvorteilhaft ist auch die Lage an Hauptverkehrsadern, egal, wie gut die Dämmung sein soll. Machen Sie sich nichts vor, es ist und bleibt eine Übergangslösung. Täuschen kann auch das Idyll an der Rückseite des Segelsportflugplatz. Gerade an Sonn- und Feiertagen nutzen die Freizeitsegler das gute Wetter für ihre Segelflüge. Nicht selten liegen der Balkon oder die Terasse im Einflugbereich zur Start- und Landebahn.

Wer es ländlich mag, sollte ebenfalls genau hinsehen. So erging es erst kürzlich einer lieben Kollegin, die sich genervt aus dem Stadtleben zurückzog. Ihr idyllischer Wohnort, zwischen Feldern und Äckern wurde im Frühjahr wie im Herbst zur Treckerhochburg, da die Felder abgeerntet wurden. Sie war dem sonoren Geräuschen der Rasenmäher entkommen, dafür zieht jetzt regelmäßig der Duft frisch gegüllter Äcker bei entsprechender Windrichtung in jeden Winkel der Wohnung. Ihre Nachbarn gehen seit kurzer Zeit neue Wege in Sachen Natürlichkeit. Sie halten jetzt Schafe und Alpakas auf ihrer angrenzenden Wiese, so dass sie bei Schlafstörungen zum „Schäfchenzählen“ nur noch aus dem Fenster blicken muss...

 

Die folgende Geschichte fällt unter die Rubrik "moderne Märchen".

Es gab verschiedene Kriterien mit denen variiert werden durfte:

Märchen in der heutigen Zeit, oder ein oder mehrere alte Märchen, die in eine völlig neue Handlung eingebettet werden konnten.

Meine Umsetzung dazu können Sie hier lesen:

 

 

Die Bräute des Prinzen

Vor langer Zeit lebte ein junger Prinz, der seinem Vater schon bald auf den Thron folgen sollte. Ehe er jedoch die Geschicke des Königreichs führen und leiten konnte, sollte er sich eine standesgemäße Frau suchen, mit der er gemeinsam regieren würde.

„Du brauchst ein Ziel in deinem Leben. Du wirkst unruhig und unzufrieden. Das ist keine gute Voraussetzung für einen angehenden König!“

Also gewährte ihm sein Vater eine Frist von sechs Monaten, ehe der Prinu seine Wahl treffen musste. Dabei war es dem König egal, ob sein Sohn eine Prinzessin oder eine Bürgerliche ehelichte.

Prinz Matthias war keinesfalls begeistert. Er liebte seine Freiheiten! Die Kleinen wie die Großen, die zahlreichen Turniere, die Jagd mit dem Falken und besonders seine Pferde. Ständig war er auf der Suche nach Abenteuern oder Herausforderungen. Keinesfalls suchte er eine Ehefrau, wie sein Vater es ihm nun auferlegte. Die Welt war bunt und er konnte außerhalb des kleinen Reiches jedem Mädchen seine Gunst schennken.

Dennoch blieb ihm nichts anderes übrig, sich dem Willen des Vaters, seinem König zu beugen. Der junge Prinz ritt ohne Gefolge über die Grenzen des südlichen Königreichs, zu dem seit Jahrzehnten kein Kontakt bestand. Mit dem Überqueren der Brücke sowie dem Fluss, der als natürliche Grenze galt, betrat er unbekanntes Land. Hier regierte kein König.Man munkelte, eine Zauberin habe das schönste Mädchen des Landes in einem Turm eingesperrt.

Kurz hinter der Grenze verrichteten Holzfäller ihre Arbeiten. Verwundert blickten sie dem Prinzen nach, wagten aber nicht, das Wort an ihn zu richten, obwohl ihnen klar war, dass er über die Grenze gekommen sein musste. Auf den Kornfeldern arbeiteten die Bauern emsig, um das reife Korn zu ernten.

Prinz Matthias bemerkte, dass die Menschen selten von ihrer Arbeit aufblickten, auch nicht, als er vorbei ritt. Im Reich seines Vaters verbeugte sich das Volk, sobald sich jemand aus der königlichen Familie näherte. Hier nahm niemand Notiz von ihm.

„Sagt mir, warum grüßt Ihr nicht, wenn ein Fremder vorbei reitet?“, fragte er einen alten Bauern.

„Wir müssen die Ernte einbringen, Herr. Wenn wir nicht schnell genug sind, schickt uns die launische Zauberin Wind, Regen oder Hagel, und wir haben nichts zu Essen.“

„In meinem Land geht die Sage von einem wunderschönen Mädchen,welches eingesperrt in einem Turm lebt. Es heißt, nur die Zauberin kann sie besuchen. Wo finde ich diesen Turm?“

„Reitet weiter diesen Weg entlang. Diese Straße führt Euch in eine kleine Stadt. Reitet zum östlichen Tor hinaus bis zum Waldrand. Kurz darauf erblickt Ihr den Turm. Aber gebt Acht, sie hütet das Mädchen wie ihren Augapfel.“

„Ich danke dir mein Alter“, sagte Matthias und warf ihm eine Münze hin.

„Damit können wir hier nichts anfangen Herr. Ein Stück Käse, ein Laib Brot oder Wein sind haben für uns mehr Wert.“

Matthias staunte. Eine Silbermünze war nichts Wert? So hielt er dem Mann ein Stück gebratenes Huhn aus seiner Tasche vor die Nase.

„Danke,“ sagte dieser knapp, als er gierig danach griff und es sich sogleich schmecken ließ.

Nach einem halben Tagesritt erreichte Prinz Matthias den geheimnisvollen Turm.

„Hallo, ist hier jemand?“, rief er leise.

Nichts geschah.

Er rief noch einige weitere Male, ehe sich ein wunderschönes Mädchen mit endlos langem Haar zeigte.

„Reitet weiter, bringt Euch nicht in Gefahr“, rief sie unglücklich.

„Wenn die Zauberin Euch hier findet, ist es aus mit Euch.“

„Hier ist weit und breit niemand zu sehen. Sagt, wie kommt sie zu Euch? Hier gibt es weder Tor noch Tür.“

Plötzlich lag ein Brausen in der Luft, wie ein stürmischer Wind, der über die Bäume des Waldes fegte.

„Rasch geht, das ist sie“, rief das Mädchen entsetzt.

Der Prinz schwang sich in den Sattel und versteckte sich mit seinem Pferd hinter einer tausendjährigen Eiche. Sie war so groß und dick, dass er im Sattel sitzend Schutz dahinter fand.

Die Zauberin rauschte an ihm vorbei, dabei konnte er nicht einmal sehen, was ihr diese Schnelligkeit verlieh. Atemlos verfolgte er das Geschehen.

Die Alte rief: „Rapunzel lass dein Haar herunter.“

Woraufhin das schöne Mädchen ihr endlos langes Haar aus dem Fenster des Turms herabließ und die Alte daran hinaufkletterte. Erstaunt sah der Prinz zu und prägte sich die Zauberworte ein.

Nach einer Weile kletterte sie wieder hinunter und verschwand auf dem selben Weg.

„Matthias ritt zurück unter den Turm und rief:

„Rapunzel lass dein Haar herunter.“

Wie befohlen, ließ das Mädchen ihr Haar herab. Als der junge Prinz vor ihr stand schien sie aus einem Zauber zu erwachen.

„Was wollt Ihr hier?“, fragte sie fassungslos.

„Ich bin Prinz Matthias aus dem Mittleren Königreich“, erklärte er ihr. „Mein Vater hat mich auf Reisen geschickt, damit ich mir eine Braut suche. Dann erinnerte ich mich an die Geschichten.“

„Welche Geschichten?“

„An das Mädchen im Turm, an Euch. Ihr seid wunderschön. Doch warum hält sie Euch hier fest?“

Weinend erzählte sie ihm vom Kinderwunsch der Hexe und von ihrem Neid, niemals so schön gewesen zu sein, wie sie selbst. Jeder soll glauben, ich wäre sie!“, schluchzte Rapunzel.

„Ich werde wiederkommen und dich mitnehmen. Wenn du einwilligst, werde ich dich zu meiner Prinzessin machen.“

Glücklich fiel sie ihm um den Hals. „Ja, liebend gern will ich mit dir gehen,“ strahlte sie.

Einen Monat besuchte Prinz Matthias das schöne Mädchen. Sie hatten sich viel zu erzählen. Nach einer Weile wurde ihm wieder Langweilig. Er vermisste das Abenteuer. Eine merkwürdige Unruhe beschlich ihn wie eine Krankheit.

Er beschloss weiter zu ziehen. Halbherzig versprach er Rapunzel, nach einer Lösung zu suchen, wie er sie aus dem Turm befreien könnte.

Wieder überschritt er eine Grenze. Dieses Mal setzte er seinen Fuß in ein anderes Königreich.

Im Westreich gab es blühende Gärten und exotische Pflanzen mit betörendem Duft. Er übernachtete in Wirtshäusern und Tavernen, amüsierte sich bestens mit den Mägden die ihm gegen seine Silberlinge Bier und Wein servierten. Marie, eine Wirtstochter mit flachsblonden Haaren und dunklen Augen gefiel ihm ausnehmend gut.

„Wie wäre es, wenn du mit mir kämst, Marie?“, fragte er schmeichelnd.

Längst hatte er Rapunzel in ihrem Turm und sein gegebenes Versprechen vergessen.

„Warum nicht“, hörte er die schöne Wirtstochter sagen.

„Ja, du könntest als meine Frau mit mir kommen. Dann bist du eine Prinzessin“, versuchte er sie zu überzeugen.

„Wo ist denn dein Königreich? Ich kann meinen alten Vater nicht allein mit all der Arbeit zurücklassen “, überlegte sie weiter.

„Dein Vater kann mit uns gehen. Wir finden im Schloss gewiss eine einfache Arbeit für ihn“, prahlte Prinz Matthias. Er umgarnte das Mädchen bis sie seinem Drängen nachgab. In dieser Nacht blieb sie bei ihm.

„Warte noch eine Weile, bis ich dich holen lasse“, versprach er ihr am Morgen und verschwand in der darauf folgenden Nacht.

„Diese ganze Heiratsangelegenheit nimmt langsam überhand“, brummte er unzufrieden. Er liebte sein Leben wie es war! Die schöne Wirtstochter weinte wochenlang und trauerte um ihre verlorene Liebe. Kurz darauf wusste sie, dass sie ein Kind vom Prinzen erwartete.

Mittlerweile war Prinz Matthias beinahe fünf Monate unterwegs. Eine Braut nach seinen Vorstellungen hatte er jedoch noch nicht gefunden.

Er ritt ins vorletzte der Nachbarreiche seines Vaters. Seit hundert Jahren schief dort eine Jungfrau im von Rosen und Moos bewachsenen Turm. Viele mutige Kämpfer und Edelherren hatten versucht, in den Turm vorzudringen um sie zu erwecken. Jedoch fast alle fanden den Tod oder mussten vorzeitig aufgeben. Diese Herausforderung lockte den Prinzen. Ruhm und Ehre würden ihm zuteil. Es war eine Abenteuer ganz nach seinem Geschmack und wer wusste es, vielleicht gefiel im die Jungfrau, so dass er sie als Braut heimführen könnte.

Gerade als er ankam, waren hundert Jahre vorüber. Die Rosenhecke teilte sich. Der Prinz gelangte ungehindert in das Turmzimmer wo sie schlief. Er bückte sich zu ihr und sagte: „Wacht auf, ich bringe frohe Kunde.“ Dann küsste er sie zart.

Sie schlug die Augen auf, überrascht sah sie ihn an.

„Welche Kunde?“, fragte sie und reckte sich.

„Ihr habt die Ehre meine Frau zu werden und somit Königin in meinem Reich.“

Fassungslos sah sie ihn an. „Wir kennen uns doch gar nicht,“ schimpfte sie. Im selben Moment betraten ihre Eltern überglücklich die Kammer. Sie drückten und herzten ihre Tochter, mahnten sie leise, freundlicher zu ihrem Retter zu sein und ihren Entschluss zu überdenken.

Nach einigen Tagen Bedenkzeit begleitete die königliche Gesellschaft den Prinzen heim. Es war beschlossen, Dornröschen sollte seine Frau werden, auch wenn sie noch schmollte und nicht einverstanden schien.

 

Der alte König empfing seinen Sohn mit offenen Armen, begrüßte Dornröschens Eltern wie die Prinzessin.

Dann klatschte er in die Hände und sagte zu seinem Hofmarschall:

„Lasst unsere Ehrengäste eintreten.“

„Welche Ehrengäste, Vater?“, fragte der Prinz überrascht.

„Warte ab und lass dich überraschen. Ich denke du wirst hocherfreut sein“, antwortete sein Vater mit einem verschmitzten Lächeln.

Herein kamen zwei wunderschöne junge Frauen. Beide in Samt und Seide gekleidet. Dazu trugen sie kostbaren Juwelen. Sie nahmen zur rechten und linken Seite der Tafel neben seinem Vater Platz.

„Ich glaube, ich muss dir diese beiden Frauen nicht vorstellen“, sagte der König kühl.

Entgeistert starrte Prinz Matthias die beiden an.

Rapunzel, wie..., wie konntest du... aus dem Turm entfliehen?“, stotterte er entsetzt „....und wieso bist du auf einmal hier, Marie? Ich sagte doch, du sollst auf mich warten...“. Fassungslos sah er von einer zur anderen.

„Genug mein Sohn“, schimpfte der König.

„Dein unehrenhaftes Verhalten kann ich weder gutheißen, noch dulden! Du hast drei Bräute. Allen gabst du ein Eheversprechen. Ich habe entschieden, das Reich unter deinen Bräuten aufzuteilen. Du aber wirst das Reich verlassen! Du bist ein Hallodri und Taugenichts. Eines Königssohn unwürdig! So einen König braucht das Reich nicht. Lerne für dich selbst zu sorgen, keine Versprechungen abzugeben, die du nicht einhalten kannst, oder willst. Vielleicht wird in fünf Jahren ein Viertel des Reiches an dich fallen. Man spielt nicht mit den Gefühlen anderer Menschen und verspricht etwas, was man nicht bereit ist einzuhalten. Das habe ich dich nicht gelehrt.

Für dein Kind werde ich sorgen! Vielleicht gelingt es dir, doch noch, ein rechtschaffener Mensch zu werden “

Von den Soldaten des Königs wurde der Prinz zur Grenze des Nordreiches gebracht, wo es nur Berge, Eis und Schnee gab. Dort sollte er sein Glück suchen.

Erst nach fünf Jahren durfte er zurückkehren, um seinen Vater und seine Bräute zu besuchen.

Seine drei Bräute herrschten einträchtig, freundschaftlich und gerecht über das Königreich.

 

Die Stimme am Telefon!

Seit geraumer Zeit gab es Probleme mit dem High-Tech-Drucker in der Dienststelle. Dieser super moderne Drucker konnte fast alles, außer Post eintüten... So lange er all die Dinge erledigte, die man eingab, also drucken, faxen, kopieren, scannen, war die Geschäftswelt in Ordnung. Doch leider entwickelte dieser Wunderdrucker binnen kürzester Zeit ein Eigenleben! Er wurde mit all seinen Marotten zur Diva: Kaum wurde Papier nachgelegt, war das Fach, obwohl die Markierung noch nicht erreicht war, laut Anzeige zu voll. Papier raus, Schublade zu, drucken. Pustekuchen, jetzt fraß er das Papier. Es kam entweder zerfetzt oder als Knitterblatt aus dem Schacht. Hin und wieder fehlten auch die Ecken. Trotz der Schulung in Sachen Druckerfehler selbst beheben, rief Corinna mindestens zwei Mal täglich in der Leitstelle der EDV an. Irgendwann verwies sie der genervte EDV-Mensch an den Hersteller.

Dort half ihr der Geschäftsführer des kleinen Unternehmens mit viel Geduld und ausführlichen Erklärungen weiter. Mittlerweile kannte sie den ihn vom regelmäßigen telefonieren schon recht gut. Zwei bis drei Mal pro Woche hatte der Drucker Aussetzer! Es wurde gescherzt und durchaus auch mal ein paar persönliche Worte ausgetauscht. Corinna empfand seine ruhige, sympathische Art als sehr angenehm. Ihn schien nichts aus der Ruhe zu bringen. Wenn sie im ärgsten Trubel völlig entnervt bei "Alexander" anrief, schaffte er es, sie binnen kürzester Zeit zu beruhigen. Alles ging wieder geregelt, ohne Stresspotential von der Hand...Sie führten offenkundig eine sehr angenehme Geschäftsverbindung die in ein neues, privates Stadium überging...

Corinna war gespannt auf den Menschen, dessen beruhigende Stimme sie in nahezu jeder Situation erdete. Hoffentlich würde sie ihm bald einmal persönlich begegnen. Ihre Neugier auf den Menschen hinter der Stimme war erwacht. Langsam entstand in ihrer Phantasie ein Bild des Mannes, der ihr beim Gedanken an seine Stimme ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Es war unverkennbar, sie hatte sich verliebt. Corinna, die Workoholic-Kollegin hatte sich verändert. Sie war nicht mehr die Letzte im Büro, hatte plötzlich Interesse am Shoppen und probierte sogar neue Frisuren aus...
"Na, was macht die Liebe", fragte eine Kollegin lächelnd. "Kommst du mit deinem Techniker voran...?", neckte sie. "Was du gleich denkst", wehrte Corinna ab.

"Das denke nicht nur ich", lächelte ihre Kollegin. "Es ist auch schon allen anderen aufgefallen...!"

"Oh je", seufzte Corinna. "Er hat gestern übrigens angerufen, dass er ab Donnerstag in der Stadt sein wird...".

"Ach, wirklich...?", stotterte Corinna verwirrt.

"Ja, er kommt in die Firma...! Also überleg dir, was du anziehst, der erste Eindruck ist entscheidend. ...Aber da die Chemie zwischen Euch zu stimmen scheint...!", feixte sie freundschaftlich, während Corinna errötete.

Zwei Tage später, es war bereits Freitag, standen diverse Termine in Corinnas Kalender. Alexanders Erscheinen hatte sie zwischen all ihren Meetings fast vergessen...

Erst gegen Mittag kehrte Corinna völlig entnervt in ihre Abteilung zurück. Ihr Chef erwartete, dass sie bis Montag ein Konzept für einen neuen Kunden vorlegte. Ihr rauchte der Kopf und sie war froh, dass keine weiteren Termine geplant waren. Enttäuscht sah sie, das ihre Kollegen schon in der Mittagspause waren. Die Türe zur Abteilung war verschlossen. Rasch griff sie nach ihrem Schlüssel, als ihr auf dem Gang ein älterer Mann auffiel, der zu warten schien. Ehe sie fragen konnte, zu wem er wollte, stand er auf und stürzte auf sie zu.

"Sind sie Frau Brede?", fragte er aufgeregt. Dabei nahm er sie mit anerkennenden Blicken in Augenschein. Corinna zog die Augenbrauen hoch, ließ sich sonst aber nichts anmerken. "Haben Sie einen Termin?", fragte sie geschäftsmäßig.

"Nun ja, wir sind gewissermaßen verabredet...", grinste er. In Corinna schrillten die Alarmglocken. Er war etwas kleiner als sie und hatte einen Bauchansatz. Sein talgiges Gesicht sprach vom ungesunden Lebenswandel. Die Stimme hatte einen vertrauten Tenor, doch der Klang war völlig anders als "Alexanders" Stimme. NEIN, das war unmöglich....! Entgeistert starrte sie ihn an, bis ihr bewusst wurde, wie unhöflich sie sich verhielt. "Wie war noch mal ihr Name?", fragte sie mit bang klopfendem Herzen.

"Oh, ich vergaß mich vorzustellen - Alexander John, von John und John."

"Wie ich sehe, ist Frau Brede bereits fort. Ich fürchte, sie hat sich ins Wochenende verabschiedet...", parierte sie mit innerlicher Erleichterung. Sie hoffte den Mann so rasch wie möglich loszuwerden. Bedauernd sah er sie an, schüttelte seinen Kopf und verabschiedete sich höflich. Gerade als er am Ende des Flurs war, klingelte Corinnas Handy.

"Jaaa," sagte sie gedehnt und nannte sehr leise ihren Namen. "Hallo Corinna, hier ist Alex." Entsetzt starte sie dem Mann auf dem Gang hinterher - er stieg gerade in den Fahrstuhl....

"Hier ist etwas merkwürdiges passiert. Die Sekretärin hat meine Termine auf meinen Vater umgebucht, da ich heute Früh zum Flughafen nach Düsseldorf musste...! Bitte warte in der Firma auf mich. Um 15.00 Uhr bin ich da." Ermattet ließ sich Corinna auf einem Stuhl nieder, da ihr die Beine versagten. "Corinna, bist du noch da?" Seine besorgte Stimme ließ sie in die Wirklichkeit zurückkehren. "Ja", hauchte sie. "Ich warte auf dich....!"

Mit weichen Knien stand sie vor dem Bürogebäude und wartete. Ein Taxi hielt vor dem Gebäudekomplex. Ein gutaussehender, blonder Mann von Anfang dreißig stieg aus. Mit großen Schritten kam er auf sie zu. "Hallo Corinna!", sagte er und strahlte sie an. "Du siehst genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Darf ich dich in ein Cafe einladen? Ich denke, wir haben uns viel zu erzählen."

Mit einem glücklichen Lächeln sah sie ihn an und nickte. Endlich war der richtige "Alexander" aufgetaucht und sie war fast sicher, es würde nicht nur beim Kaffee bleiben...!

 

Wo geht´s denn hier zum Honecker-Haus...?


Eine der besten Geschichten schrieb die Geschichte selbst.

Einen Teil dieser Geschichte kennt fast jeder aus den Medien - sie kann sogar in den Geschichtsbüchern nachgelesen werden.

Es geht um den Zerfall der Deutschen Demokratischen Republik – doch damit endet die Geschichtsstunde wie wir sie kennen...

 

Kurz nach der Grenzöffnung begann ein Reiseboom, der im Frühjahr und Sommer des Folgejahres eine Reisewelle in die neuen Bundesländer auslöste, die größer schien als kurz nach der Wende. Die Möglichkeiten, ohne lästige Einreisevisa und Geldumtausch einreisen zu können, beflügelten die sogenannten „Wessis“ nahezu sich jederzeit ins Auto zu setzten und loszufahren. Alte Kontakte wurden belebt. Verwandte, die man bis dato nur von Beerdigungen und aus Briefen kannte, wurden besucht, oder man reiste einfach durch die neuen Bundesländer und genoss die Natur auf der Suche nach irgendeiner Unterkunft. Es gab so viel zu entdecken.

 

Der Kontakt zur Familie nach Mecklenburg war immer sehr intensiv. Wann immer es möglich war, reisten meine Eltern, bereits während meiner Kinderzeit, mit dem Interzonenzug zur Großmutter – trotz aller Anträge und Anmeldungen. Nach dem Mauerfall konnten wir stressfrei das Auto nutzen, wie tausend andere Menschen auch.

 

Als mein Mann und ich im Sommer nach Öffnung der Mauer die nächst größere Kreisstadt erreichten, waren wir entsetzt, was sich in der Zwischenzeit verändert hatte: Beinahe an jeder Ecke stand eine „Imbissbude“ oder „Burgerbraterei“. Zudem wiesen diverse Hinweisschilder auf Zimmervermietungen oder freie Wohnungen hin. Glücklicherweise fuhren wir etliche Kilometer weiter bis zum Dorf meiner Großmutter. Dieser Ort hatte beinahe dreißig Einwohner, die mir alle seit meiner Kindheit vertraut waren.

 

Die Wohnung meiner Großmutter lag im Seitentrakt des Forsthauses.

Gleich nach unserer Ankunft berichtete sie von diversen Ruhestörern, die sich bereits bis zu ihr verlaufen hatten, oder beim Förster per Telefon den Weg nach Drewitz erfragten. Alle wollten das „sagenumwobene Honeckerhaus“, sehen, welches in gut vier Kilometern Entfernung lag. Es war Magnet der Reiselust. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für uns undenkbar, dass dieser idyllische Ort Dreh- und Angelpunkt des Tourismus geworden war.

 

Bereits eine halbe Stunde nach unserer Ankunft, wurden wir eines Besseren belehrt:

Unseren eigenen Pkw hatten wir im Schatten der großen Kastanie vor dem Forsthaus geparkt. Es war Sitte bei meiner Großmutter erst gemeinsam einen Kaffee nach der Anreise zu trinken, ehe ausgeladen oder ausgepackt wurde. Die Kinder meiner Cousine waren nicht begeistert, dass sie noch auf ihre Überraschungen warten sollten. Ihre Gesichter hellten sich aber sofort auf, als sie die Erlaubnis erhielten mit unseren zweijährigen die Hühner und Kaninchen anzusehen.

Gerade, als wir vor unserem Kaffee saßen, hörten wir draußen gleich zwei Autos vorfahren. Wir trauten kaum unseren Augen, als es kaum eine Minute später an der Haustüre polterte, die Küchentüre ohne Erwiderung aufgerissen wurde, und ein junger Mann von circa zwanzig Jahren verwirrt in Omas Küche stand.

Verdutzt blickte er uns an. Nicht minder erstaunt, vielleicht auch ein wenig geschockt, schauten wir zurück. Bis meine Großmutter freundlich fragte:

Suchen Sie jemanden...?“ Als er immer noch nichts sagte, fragte ich „...und stürmen Sie immer ohne Anzuklopfen in fremde Häuser...?“

Ja ...ahm..., ich wollte...“ Er brach ab.

Wohl kaum Boris Becker imitieren“, stellte meine Großmutter grinsend fest. An ihren Augen sah ich, diese Situation hatte sie schon einige Male erlebt. Gerade noch rechtzeitig unterdrückte mein Mann einen Lachanfall.

Ja, ... ich wollte wissen....“, stammelte der arme Kerl mit einer Entschuldigung, „wo geht`s denn hier zum Honeckerhaus?“, platzte er dann mit der Frage heraus.

 

Mittlerweile hatten die Kinder den Rundgang auf dem Forsthof abgeschlossen und kamen um die Ecke. Ich zwinkerte ihnen zu, und bat sie, den Weg durch den Wald zum Honeckerhaus zu beschreiben. Die Kids waren pfiffig genug und wussten sofort, welchen Weg ich meinte, als ich meinen Arm Richtung Drewitz ausstreckte...

Sie schickten die Fahrer über den etwas holprigen Waldweg, der aber die direkte Verbindung darstellte.

Es ist ein landschaftlich wirklich reizvoller Weg“, versicherte ich mit einem freundlichen Lächeln.

 

Am Nachmittag in der Kreisstadt belohnte ich die Mädchen mit einem großen Eis. Zudem bestärkte ich sie in ihrer Idee, ein Schild für den hohen Strommasten an der Wegkreuzung zu malen.

Als sie fertig waren, zeigte ein dicker Pfeil in Richtung Holperstrecke.

Darunter stand:

„Zum Honeckerhaus.“

 


Gartenglück


Für meine Großeltern bedeutete ein eigenes Stück Land mit Obstbäumen, Beerensträuchern und selbst gezogenem Gemüse ein Stück Lebensqualität.
Sie erlebten den Weltkrieg mit all seinen Entbehrungen, der Kälte des Winters und der Flucht. Vielleicht bedeutete ihnen gerade deshalb das eigene Stück Garten so viel. Es war für sie die Unabhängigkeit der Selbstversorger.
Der Boden wurde umgegraben und belüftet, Komposterde selbst hergestellt. Setzlinge auf der Fensterbank gehegt und gepflegt, ehe sie ausgebracht wurden. Erst mussten die Eisheiligen vorüber sein, damit eventuelle Nachtfröste keinen Schaden mehr anrichten konnten.
Meine Oma sammelte in heißen Jahren Kartoffelkäfer von den Pflanzen ab, stellte Bierfallen gegen Schnecken auf, und Ameisen vertrieb sie mit Zimt. Ihr Garten wurde zu jeder Zeit biologisch bearbeitet. Pflanzenjauchen stärkten die Jungpflanzen oder halfen Rüsselkäfer und Läuse abzuwehren.
Kräuter für Salate und Gemüse waren wichtige Gewürze in der Küche. Fruchtfolgen wurden vorbestimmt: sobald das erste frühe Gemüse geerntet wurde, folgten die nächsten Sorten, die mehr Wärme und Sonne benötigten.
Einer meiner Großväter pflanzte in den fünfziger Jahren selbst gezogenen Tabak an. Eine Pflanze fand mein Vater zufällig fast drei Jahrzehnte später wieder, als er ein neues Kompostgitter anlegte. Als Raucher in jender Zei,t legte er einige Blätter zum Trocknen aus und probierte den Tabak selbstverständlich auch.
Hühner, Enten oder Kaninchen fanden oftmals ein schattiges Plätzchen im Garten. Der Kaninchen- wie Hühnermist wurde untergegraben und düngte die Erde. Starkzehrer wie Kartoffeln, Tomaten und Gurken gediehen meist prächtig.
Ende Juni, spätestens Anfang Juli wurde das Erdbeerbeet bearbeitet,Jungpflanzen ausgedünnt oder verpflanzt. Die Altpflanzen kamen in frische Erde. Auf das ursprüngliche Erdbeerbeet wurden Grünkohlpflanzen gesetzt. Otmals spielte der Stand des Mondes eine wichtige Rolle, dessen Aussathinweise schon seit Jahrtausenden ohne Veränderung Anwendung finden. Über Sommer füllte sich die Vorratskammer mit Einweckgläsern, in denen Erdbeeren, Kirschen, Äpfel, Pflaumen oder Birnen als Kompott eingekocht wurden. Im Spätsommer wurde Weißkohl mit Salz zu Sauerkraut eingestampft. Eine Kanne
aus frisch gebrühten Pfefferminztee kam allabendlich im Herbst auf den Tisch. Frische Kartoffeln, gekocht, gebacken, gestampft oder gebraten rundeten den Speiseplan ab, ebenso Gemüsesuppen.
Zu Allerheiligen war das eingelegte Sauerkraut ausgereift und wurde zum Sonntagsbraten als Schmorkraut gereicht.
Im Zweifelsfalle ernährte der Garten mit frischen Erträgen die Familie. Was fehlte, konnte zum größen Teil aus den eingeweckten Vorräten oder dem Grundnahrungsmittelbestand ergänzt werden.
Zum GLÜCK fehlt also nur der eigene Garten. ...!

 

 

"Ist doch nur ein Leckerli"

Unser jüngstes Kind war nach manch einer „kleinen Einkaufsrunde im Ort“ regelrecht beladen mit Süßwaren. Als es etwa zweieinhalb Jahre alt war, wusste es bereits genau, in welchen Geschäften es „ein Leckerchen“ gab…
Beim Metzger eine Scheibe Wurst,
beim Bäcker ein süßes Brötchen mit den ekeligen, roten Lollis. Dabei bemühte ich mich vergeblich, den Damen in der Bäckerei klar zu machen, dass unser Kind allergisch auf den roten Farbstoff reagierte…! Einmal erhielt ich die schnippische Antwort, dann werfen Sie ihn doch weg – klar, wenn die Verkäuferin dem Kind das Brötchen mit dem "klebrigen Teil" in die Hand drückt.. Dann ist es die „böse Mama“, die den Lutscher aus dem Brötchen nimmt - nicht die Verkäuferin!
Beim Fischhändler gab es eine Minitüte mit Gummibärchen und in der Apotheke eine Minitüte mit Schokolinsen und Traubenzucker dazu. Damit war beinahe der Wochenvorrat an Süßwaren in einer knappen Stunde beisammen…

Im Laufe der Zeit bemerkte ich, dass es keinen Sinn machte, mit den Leuten zu diskutieren, oder Erklärungsversuche zu starten. Also schloss ich ein Abkommen mit meinem Kind. Alles, was es unterwegs erhielt und eingepackt war – bis auf eine Scheibe Wurst – wurde in den Einkaufskorb für später gelegt. Manch einer wird nun sagen, aber das Brötchen bekommen die Kids doch direkt in die Hand gedrückt… Auch hier wandte ich eine kleine List an und erklärte, dass das Kind gerade erst gegessen hätte, man möge es bitte in eine Tüte packen... Ja, ja, ich weiß, Mamas können so gemein sein...!

Daheim teilten wir die Süßigkeiten mit dem „Geschwisterkind“, welches bereits Vorschulkind war, und beide hatten Freude an den „Leckerchen“.
Auf diese Art und Weise reduzierte sich nicht nur die Zuckerzufuhr, nein, der Lerneffekt, dass man durchaus auch etwas abgeben kann, und teilen sollte, wurde spielerisch unterstützt…!

 


Auf der Suche nach dem großen Glück

 

Wir alle sind Wanderer, Suchende und Hoffende.
Manch einer hofft auf den Lottogewinn, wieder andere auf eine Erbschaft, ein Dritter, wartet auf die Rückmeldung seiner Bewerbung im gewünschten Ausbildungsberuf. ..! Fakt ist, wir alle haben Träume und Wünsche, Ziele und Hoffnungen in vielen Belangen.
Doch vergessen wir darüber nicht die kleinen Dinge des Lebens? Dinge, die es lebenswert, angenehm und schön machen? Liebenswürdigkeiten, Freundlichkeiten, Hilfsbereitschaft und so viel mehr?
Es sind die kleinen Dinge im Leben, die sich zu „einem großen Glück zusammenfügen“ können:

  • Das erste Lächeln des eigenen Kindes/Enkelkindes
  • Ein freundlicher Zeitgenosse, der mir eine Türe aufhält, wenn ich schwer zu Tragen habe
  • Frühlings- oder Sommerblüten auf der Wiese
  • Freundschaften, die sich über Jahrzehnte bewährt haben
  • Ein gutes Gespräch mit den Kollegen beim Essen
  • Ein lang erwarteter Brief/oder eine E-Mail
  • Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen…
Es ist das irdische Glück, welches uns glücklich macht. Nicht die Suche nach dem einen, großen Glücksmoment.
Glück setzt sich aus vielen kleinen oder einzelnen Momenten, Erlebnissen und Begebenheiten zusammen, die unser Herz tief berühren und die Seele streicheln.Glück lässt sich schwer beschreiben. Man fühlt es, und wer es erfährt, strahlt es aus. Glück ist ein Geschenk, welches wir verstehen lernen müssen, damit wir es erkennen und annehmen können.

 


Erlebnis Rehabilitation


Was mich in meiner ersten Rehabilitation erwarten würde, ahnte ich wirklich nicht. Die Ziele für meine Genesung hatte ich im Vorfeld aufgeschrieben, Stressfaktoren eingerechnet und alle nötigen Papiere wie Röntgen-CD´s besorgt.

Bei all den Hochglanzbroschüren und Internetauftritten, sowie der Werbung im Allgemeinen, ist man geneigt, zu glauben, was einem suggeriert wird:

 

- an einen "Wellnesstempel" mit natürlicher Mineralwasserquelle

- dem persönlichen Therapeutenteam für Krankengymnastik und Ergotherapie

- dem versprochenen Komfort in den Zimmern

- einer Cafeteria mit Sterneküche ...


Spätestens vor Ort erkennt man, vieles wird "schöngeredet, oder hübsch abgelichtet"...

Letztendlich liegt es an unserer Wahrnehmung - wir glauben, was wir sehen.

Der Kurort, in dem ich mich seinerzeit befand, war kein "unbekanntes Örtchen". Von je her wurde hier gekurt!

Herzöge, Adel, Prinzregenten, selbst ein Zar gab diesem Städtchen die Ehre und der Glanz vergangener Zeiten begleitete den Besucher auf Schritt und Tritt. Beinahe an jedem Haus fand sich eine Plakette oder Gedenktafel mit historischen Verweisen auf diese Persönlichkeiten. Kein Wunder also, dass der Chefarzt in seiner Begrüßungsrede ebenfalls auf die Historie verwies....

Vielleicht glaubten deshalb einige Damen, der Adel wäre noch immer präsent und unterwarfen sich einem strengen Modediktat. Da kam ich mit meiner schlicht geschnittenen, aber praktischen Sportbekleidung kaum mit! Es musste ein Top drunter, eine Tunika mit Spaghettiträgern drüber und dazu das Luis Vuitton-Täschchen zur Gymnastik für die Hallenschuhe und Wasserflasche sein....

Der Badeanzug von weiß Gott wem entworfen, dazu Bikini oder Tankini mit Rüschen und Schleifen verziert waren die Eyecatcher der Rehamode. Deren zweifelhafte Tauglichkeit sich spätestens im Wasser offenbarte. Bei der Wassergymnastik rissen Träger oder der Stoff gab so extrem nach, dass der Ausschnitt bis zum Bauchnabel rutschte. Einigen teilnehmenden Herren dürfen "diese Perspektive" durchaus gefallen haben. 

Modisch waren die Herren im Vorteil. Ihnen genügte im Regelfall ein T-Shirt mit der Aufschrift ihrer Lieblingsbiermarke.

Es gab auch modebewusstere Herren. Sie bevorzugten Shirts mit Sprüchen wie:

Bitte küssen, ich bin Italiener!

Oder: Anfassen erlaubt....

Der Kurschatten war das Unwort der Rehabilitationseinrichtung. Heute heißt es kurz

RÜP = Rehabilitations-Überbrückungs-Partner

Am Ende der ersten Woche zeichneten sich bereits die ersten RÜP-Paare ab.

Zwei Mal in der Woche war An- wie Abreisetag. Das Menschengewimmel im Eingangsbereich und rund um die Cafeteria vermittelte einem das Gefühl Teil eines Ameisenstaates zu sein.

Irgendwann tauchte dann doch noch ein prominenter Mensch auf - jedenfalls sah er einem Prominenten sehr ähnlich. Sehr zur Freude der oben beschriebenen Supermodels. Ein stattlicher Mann. Besonderes Augenmerk lag auf seinem Bart, eine Klasse für sich: Wie im Kino waren Perlen eingeflochten. Seine Haare trug er nicht offen, (denn da waren kaum welche), der Rest war zu einem schlichten Pferdeschwanz gebunden.

Lederjacke, coole Brille, die eingeflochtenen Bändchen im Bart, fuhr er mit dem Motorrad die Auffahrt hinauf.  Das Alter machte auch vor ihm nicht halt. Auch er hatte seine Probleme - Schlafstörungen auf jeden Fall, denn er knatterte  kurz vor sechs Uhr in der Frühe mit seinem Motorrad um die Klinik. Verwegener Blick und bei genauer Betrachtung hatte er durchaus Ähnlichkeit mit Gandalf dem Grauen aus Herr der Ringe - in jüngeren Jahren....

Am Ende der Kurmaßnahme erkannten die meisten Gäste, tendenziell wird auch hier mit Wasser gekocht, sowie gute Selbstdarstellung fürs Marketing betrieben.

Letztendlich sollte das persönliche Wohlbefinden und die Genesung im Fokus stehen. Keinesfalls die Belanglosigkeiten eines Essensplans, der nicht der angekündigten Vier-Sterne-Küche entspricht, oder die modischen Auftritte auf dem tristen Teppichstreifen zwischen Anmeldung und Wasserspender! Die Menschen, die uns vor Ort helfen und mit Ratschlägen oder Tipps für das alltägliche Leben helfen sind wichtig! Nicht die Umgebung oder die vermeintliche Sterneküche.

 

 

Elfenzorn:


In einer Zeit, in der Menschen und Feen zufrieden miteinander lebten, besaßen die Elfen noch ihre Zauberkräfte, und die Macht das Böse abzuwehren. Die Harmonie zwischen den Welten war somit ausgeglichen. Doch die Machtgier einiger Menschen nahm zu. Sie wollten einerseits mehr über die geheime Welt der Elfen wissen, oder sich andererseits ihre Magie zunutze machen. Manch einer glaubte, es gäbe verborgene Schätze an Berghängen, im Wiesenrain und den tiefen Wäldern, wo einige alte Feenvölker lebten.

Die älteren und weisen Feen zogen sich mehr und mehr aus der Menschenwelt zurück, wieder andere glaubten nicht mehr an ihre Werte. Sie lebten mit den Menschen und zeugten Kinder, die zu Halbelfen wurden. Viele von ihnen waren sich des alten Wissen nicht mehr bewusst, oder konnten ihre vorhandenen Kräfte nicht immer kontrollieren …

Siri war eine Halb-Elfe. Sie liebte das Ballett und die Natur, hatte eine liebe wie gute Menschenfreundin gefunden und besuchte die achte Klasse des Gymnasiums. In Biologie war sie unschlagbar. Sie ahnte nicht einmal, dass all ihr Wissen auch die uralte Elfenmagie enthielt. Marietta ihre Freundin bewunderte sie sehr und war ein wenig eifersüchtig, dass Siri all dieses Wissen scheinbar zuflog. Die beiden Mädchen hatten viele Gemeinsamkeiten und so war es nicht verwunderlich, dass sie bei all ihren gleichen Interessen irgendwann einmal für denselben Jungen schwärmten.


Konrad war bereits in der elften Klasse. Er interessierte sich sonst kaum für Mädchen, da er sich auf das Abitur vorbereitete und gerade deshalb entstand ein Wettstreit zwischen Siri und Marietta um die Aufmerksamkeit von Konrad.

Du scheinst dich für Konrad zu interessieren“, sagte Siri mit honigsüßer Stimme zu Marietta.

Ja, er gefällt mir, daher habe ich mich für den Kurs in Fotographie angemeldet. Konrad ist auch im Kurs und dort habe ich mehr Möglichkeiten mit ihm ins Gespräch zu kommen“, erzählte Marietta ihr noch ohne Argwohn.

Siri nickte und machte sich eigene Gedanken.

Ihre Eltern lebten in einem Haus in der Nähe des Waldes, mit einem großen Garten. Oftmals lag ein dichter Nebel über dem Grundstück, was ihr unwirklich wie geheimnisvoll aussehen ließ. Sie überlegte und kam zu dem Schluss, dass es Konrad gewiss interessieren würde, hier seine Schwarz-Weiß-Fotos zu machen…

Wenige Tage später lud Siri Konrad zu sich ein, damit er sich vor Ort ansehen konnte, wie traumhaft die Natur mit einem Nebelschleier aussehen konnte, die sie ihm zuvor in den glühendsten Farben geschildert hatte.

Das ist ja phantastisch“, schwärmte er.

Genauso eine Stimmung wollte ich mit meiner Kamera einfangen.“

Siri lächelte kokett und stellte sich an einen Baum, von dem sie wusste, dass er ihre elfenhafte Aura zur Geltung brachte. Prompt fotografierte er sie und zeigte seine bearbeiteten Bilder von dem bezaubernden Haus und Siri am Folgetag in der Gruppe.

Marietta platzte fast vor Wut, als sie die Bilder sah.

Was bildet Siri sich bloß ein? Sie wusste doch ganz genau, dass ich mich in Konrad verliebt habe“, dachte sie grimmig. Marietta fand es gemein von Siri, sich nun auch an Konrad heranmachen zu wollen…

Na warte“, dachte sie ärgerlich, „die nächste Mathematikarbeit kommt bestimmt, dann wirst du dich aber wundern Siri…“.

Siri kaute gelangweilt auf ihrem Füller herum und hatte noch keine Matheaufgabe zu Ende gelöst. Sie verstand Mathe einfach nicht. Jedes Mal hatte Marietta ihr bei den Lösungswegen geholfen, indem sie ihr das Löschblatt ihres Heftes zuschob, so dass sie abschreiben konnte. Doch dieses Mal tat Marietta so, als wüsste sie selbst die Lösungen nicht. Kurz bevor die Hefte abgegeben werden mussten schrieb sie rasch alle Ergebnisse hin und klappte ihr Heft zu. Ohne Siri eines Blickes zu würdigen, ging sie nach vorne ans Lehrerpult und gab die Arbeit ab.

Siri spürte wie Ärger und Wut in ihr aufwallten. Sie wurde vor Zorn dunkelrot im Gesicht, so dass kleine goldene Lichtpunkte in ihren Haaren zu glänzen begannen. Siri spürte eine Energie in sich brennen, die sie noch nie wahrgenommen hatte.

Was war denn jetzt los?“, dachte sie mit leichter Panik

In der Pause ging ihr Marietta aus dem Weg und sprach nicht einmal mit ihr.

Stattdessen stand sie in einer Ecke mit Konrad zusammen und kicherte albern, als er einen Scherz machte.

Siri drehte sich auf dem Absatz um und stürmte in die Mädchentoilette, da ihr schon wieder so heiß wurde. Als sie in den Spiegel sah, bemerkte sie, dass kleine Lichtpunkte in ihren Haaren leuchteten. Siri war sprachlos, fand aber, dass sie mit den lichtgesprenkelten Haaren noch hübscher aussah als vorher.

Vermutlich ist das die Pubertät bei uns Halb-Elfen“, überlegte sie und freute sich trotz ihres Ärgers diebisch, dass sie nun hübscher als ihre Freundin war. Sie wusste von ihrer Mutter, dass sie als Halb-Elfe mit allerlei Überraschungen zu rechnen hatte, die bei jeder Halb-Elfe anders ablaufen konnten.

Zum Ende des Unterrichts beobachtete Siri, dass Marietta auf das Moped von Konrad stieg und mit ihm davon fuhr.

Da war es um ihre Fassung geschehen. Die erneut aufwallende Wut verlieh ihr Kraft wie Schnelligkeit. Sie stieg auf ihr Fahrrad und radelte mit ungewohnt hohem Tempo hinter den beiden her. Immer darauf bedacht, den Abstand zu wahren, dass sie nicht sofort entdeckt wurde, folgte sie ihnen auf den alten Friedhof. Der Tag war regnerisch und ein leichter Schleier lag über den Grabsteinen des uralten jüdischen Friedhofs.

Siri versteckte sich hinter einem großen immergrünen Feuerdornstrauch, um das weitere Geschehen zu beobachten.

Er macht tatsächlich auch Fotos von Marietta“, folgerte sie.

Eine enorme wie, unheilvolle Kraft wuchs in Siri, denn sie befand sich an einem kraftvollen wie magischen Ort. Sie ahnte nicht, dass der Feuerdorn ihr schadete, da das Blut einer Feuerelfe durch ihre Adern floss. Binnen Sekunden entzündete sich der Busch. Alles um sie herum stand in Flammen. Der trockene Busch explodierte förmlich und das Licht war gleißend hell. Fast blind irrte Siri durch das Dickicht und stolperte langsam daraus hervor. Doch auch sie selbst hatte einiges abbekommen, ihre Jacke hatte Feuer gefangen, die Haare waren angesengt. Laut schreiend, mit dem Gefühl erblindet zu sein, tastete sie sich aus dem Inferno, welches sie selbst durch ihre Wut entfacht hatte.

Konrad und Marietta zuckten erschrocken zusammen. Fassungslos starrten sie auf Siri die aus dem Flammenbusch kam. Während Konrad fasziniert durch den Sucher seiner Kamera schaute und einiges Fotos machte, griff Marietta nach einer Gießkanne und löschte Siris Jacke. Danach zerrte sie Siri mit sich zum Brunnen und half ihr vorsichtig das Gesicht zu waschen. Siris Augenbrauen waren verbrannt, die Haare angesengt, auf ihrem Oberarm hatte sich eine Brandblase gebildet. Während Konrad hilflos zusah, wie Marietta Siri die Jacke auszog, atmete Siri völlig aufgewühlt ein und aus, als bekäme sie keine Luft.

Es ist alles in Ordnung, Siri“, redete Marietta leise auf sie ein.

Du hast glücklicherweise nur eine große Brandblase am Arm, die heilt schnell wieder ab. Mit etwas Glück, sieht man nicht einmal eine Narbe…“.

Benommen sah Siri in die Richtung aus der Mariettas Stimme kam.

Ich kann nichts sehen“, weinte sie panisch.

Konrad half Siri auf sein Moped und langsam schoben sie das hilflose Mädchen nach Hause.

Ihre Mutter stand schon am Gartentor. Sie wirkte völlig aufgeregt und sah fassungslos auf die leise weinende Siri.

Ich spürte, dass etwas geschehen sein musste“, flüsterte sie heiser vor Sorge.

Mit einem Blick erkannte sie, dass ihre Tochter nichts sehen konnte.

Kommt mit in den Garten“, sagte sie knapp und führte Siri unter eine Buche.

Über das, was ihr jetzt seht, müsst ihr Euer ganzes Leben lang Stillschweigen bewahren“, sagte sie im verschwörerischen Ton.

Marietta wie Konrad konnten nur nicken, zu bedeutungsvoll waren der Schrecken und die Angst um Siri, ob sie wieder sehen würde.

Siris Mutter wusste, dass die beiden schweigen würden und klopfte drei Mal auf den Buchenstamm. Dazu murmelte sie Worte in einer Sprache, die niemand verstand, geschweige denn nachsprechen konnte.

Langsam stiegen glitzernde Lichter aus der Baumkrone auf und schwebten hinunter auf die Erde. Sie sammelten sich und begannen, sich im Rhythmus einer nicht hörbaren Melodie um den Buchenstamm zu bewegen. Siris Augen waren weit aufgerissen, so als wolle sie etwas sehen, was in weiter Ferne lag.

Als der Elfentanz endete, schien sie aus einer anderen Welt zu ihnen zurückgekehrt zu sein.

Mutter, was ist mit mir geschehen?“, fragte sie verwirrt.

Deine kraftvolle Magie hat dich zur vollwertigen Feuerelfe gemacht. Deine Schwestern haben dir den Weg gewiesen, wie du mit deiner Gabe umgehen musst, um weder dir noch anderen Schaden zuzufügen“, antwortete ihre Mutter schlicht.

Mit großen Augen hatten ihre Freunde zugesehen und bemerkten erst jetzt, dass Siri offensichtlich wieder sehen konnte.

Erleichtert fielen Marietta und Siri sich in die Arme.

Seit dieser Zeit sind die Beiden wieder unzertrennlich.

Konrad wurde beiden Mädchen ein ehrlicher wie aufrichtiger Freund.

Nie wieder, so schwor er sich, wollte er zwischen zwei Freundinnen entscheiden - oder noch schlimmer - sich dem Zorn einer stürmischen wie eifersüchtigen Feuer-Elfe stellen müssen…

 

 

 

Winterzeit = Ruhezeit

Eisblumen an den Fenstern, Raureif auf Gräsern und Pflanzen, zugefrorene Seen bei klirrender Kält oder Schnee, so haben unsere Großeltern und Eltern noch den Winter erlebt. Zu dieser Zeit gab es selten Zentralheizungen oder fest schließende Fenster. Durch die Ritzen der Holzrahmen zog es und die kalte Luft schien überall zu sein, da es kaum Jalousien gab.

Die Zeit zwischen den Jahren, sowie die im Monat Januar, galten als Ruhezeit. An den langen Abenden vor dem Ofen oder offenen Kamin wurde viel von den Großeltern erzählt oder Wissen an die Kinder weitergegeben. Das geschah durch Erzählungen wie praktischen Anwendungen.

Die letzten Schweine wurden geschlachtet, in Salz eingepökelt oder Schinken und Mettwürste im Rauchfang des Kamin geräuchert. Die meisten Aufgaben der Vorratshaltung mussten jedoch bereits im Herbst erledigt sein.

Im Winter legte man Pläne und Zeichnungen für die Fruchtfolgen des kommenden Jahres auf den Äckern und für die Gärten an. Dabei lernten schon die Kleinsten, welches Gemüse miteinander wuchs und welches besser nicht zusammen angepflanzt wurden, weil sie sich nicht riechen können...

Tomaten und Gurken mögen beispielsweise nicht beieinander stehen. Dafür werden Erdbeeren aromatischer, wenn Minze zwischen den Pflanzen wächst. Knoblauch hält Schädlinge fern. Mit Bananenschalen, fern von jungen Salatpflanzen ausgelegt, lockt man Nacktschnecken an, die sonst die zarten Pflanzen fressen würden.  Gerätschaften wurden ausgebessert und zum Teil erneuert.

Das Leben war Abhängig von Rhythmus der Natur. Hausmittel halfen gegen Erkältungen, die Rezepte wurden in der Familie weitergegeben oder verfeinert. Das Essen war einfach aber deftig. Gemüseeintöpfe und selten Fleisch, allenfalls an Sonntagen. Fettgebackenes wie Krapfen mit Rosinen, Apfelschnitzeln oder „Hefeballen“ mit Marmelade (Berliner), wie wir sie aus der Karnevalszeit kennen, gab es an Sonntagen, wenn die Verwandten zum Kaffee nach dem Kirchgang kamen. Manchmal wurden bereits am Vortag Berge von Waffeln mit dem "Tickeisen“ in der Mitte der Ofenmulde über der Glut im Herd gebacken. Dazu wurde der Herd nur mit einer bestimmten Holzsorte beheizt, damit die Temperatur lange vorhielt. Traditionen wurden gepflegt und weitergegeben, Feiertagsriten eingehalten und zelebriert.

 

Vieles von diesem alten Wissen ist heute leider verloren gegangen und würde sicher auch uns „modernen Menschen“ noch von Nutzen sein. Bereits im Mittelalter begannen Nonnen wie Mönche ihr Wissen zu sammeln, zusammenzutragen und aufzuschreiben. Glücklicherweise ist noch heute einiges überliefert, wie Rezepte von Hildegard von Bingen, die uns immer noch zu Gute kommen.

 

Alle Rechte für die hier aufgeführten Texte liegen bei Dorothea Möller

 

 


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