"Lausche dem Rhythmus der Worte,
schicke deine Gedanken auf Reisen,
dann wirst du den Zauber anderer Welten
entdecken."

 

Leseproben:

Allen Besuchern meiner Webseite wünsche ich viel Freude beim Entdecken, Lesen und Stöbern.

Herzlichst Dorothea Möller

 

Die Stimme am Telefon!

Seit geraumer Zeit gab es Probleme mit dem High-Tech-Drucker in der Dienststelle. Dieser super moderne Drucker konnte fast alles, außer Post eintüten... So lange er all die Dinge erledigte, die man eingab, also drucken, faxen, kopieren, scannen, war die Geschäftswelt in Ordnung. Doch leider entwickelte dieser Wunderdrucker binnen kürzester Zeit ein Eigenleben! Er wurde mit all seinen Marotten zur Diva: Kaum wurde Papier nachgelegt, war das Fach, obwohl die Markierung noch nicht erreicht war, laut Anzeige zu voll. Papier raus, Schublade zu, drucken. Pustekuchen, jetzt fraß er das Papier. Es kam entweder zerfetzt oder als Knitterblatt aus dem Schacht. Hin und wieder fehlten auch die Ecken. Trotz der Schulung in Sachen Druckerfehler selbst beheben, rief Corinna mindestens zwei Mal täglich in der Leitstelle der EDV an. Irgendwann verwies sie der genervte EDV-Mensch an den Hersteller.

Dort half ihr der Geschäftsführer des kleinen Unternehmens mit viel Geduld und ausführlichen Erklärungen weiter. Mittlerweile kannte sie den ihn vom regelmäßigen telefonieren schon recht gut. Zwei bis drei Mal pro Woche hatte der Drucker Aussetzer! Es wurde gescherzt und durchaus auch mal ein paar persönliche Worte ausgetauscht. Corinna empfand seine ruhige, sympathische Art als sehr angenehm. Ihn schien nichts aus der Ruhe zu bringen. Wenn sie im ärgsten Trubel völlig entnervt bei "Alexander" anrief, schaffte er es, sie binnen kürzester Zeit zu beruhigen. Alles ging wieder geregelt, ohne Stresspotential von der Hand...Sie führten offenkundig eine sehr angenehme Geschäftsverbindung die in ein neues, privates Stadium überging...

Corinna war gespannt auf den Menschen, dessen beruhigende Stimme sie in nahezu jeder Situation erdete. Hoffentlich würde sie ihm bald einmal persönlich begegnen. Ihre Neugier auf den Menschen hinter der Stimme war erwacht. Langsam entstand in ihrer Phantasie ein Bild des Mannes, der ihr beim Gedanken an seine Stimme ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Es war unverkennbar, sie hatte sich verliebt. Corinna, die Workoholic-Kollegin hatte sich verändert. Sie war nicht mehr die Letzte im Büro, hatte plötzlich Interesse am Shoppen und probierte sogar neue Frisuren aus...
"Na, was macht die Liebe", fragte eine Kollegin lächelnd. "Kommst du mit deinem Techniker voran...?", neckte sie. "Was du gleich denkst", wehrte Corinna ab.

"Das denke nicht nur ich", lächelte ihre Kollegin. "Es ist auch schon allen anderen aufgefallen...!"

"Oh je", seufzte Corinna. "Er hat gestern übrigens angerufen, dass er ab Donnerstag in der Stadt sein wird...".

"Ach, wirklich...?", stotterte Corinna verwirrt.

"Ja, er kommt in die Firma...! Also überleg dir, was du anziehst, der erste Eindruck ist entscheidend. ...Aber da die Chemie zwischen Euch zu stimmen scheint...!", feixte sie freundschaftlich, während Corinna errötete.

Zwei Tage später, es war bereits Freitag, standen diverse Termine in Corinnas Kalender. Alexanders Erscheinen hatte sie zwischen all ihren Meetings fast vergessen...

Erst gegen Mittag kehrte Corinna völlig entnervt in ihre Abteilung zurück. Ihr Chef erwartete, dass sie bis Montag ein Konzept für einen neuen Kunden vorlegte. Ihr rauchte der Kopf und sie war froh, dass keine weiteren Termine geplant waren. Enttäuscht sah sie, das ihre Kollegen schon in der Mittagspause waren. Die Türe zur Abteilung war verschlossen. Rasch griff sie nach ihrem Schlüssel, als ihr auf dem Gang ein älterer Mann auffiel, der zu warten schien. Ehe sie fragen konnte, zu wem er wollte, stand er auf und stürzte auf sie zu.

"Sind sie Frau Brede?", fragte er aufgeregt. Dabei nahm er sie mit anerkennenden Blicken in Augenschein. Corinna zog die Augenbrauen hoch, ließ sich sonst aber nichts anmerken. "Haben Sie einen Termin?", fragte sie geschäftsmäßig.

"Nun ja, wir sind gewissermaßen verabredet...", grinste er. In Corinna schrillten die Alarmglocken. Er war etwas kleiner als sie und hatte einen Bauchansatz. Sein talgiges Gesicht sprach vom ungesunden Lebenswandel. Die Stimme hatte einen vertrauten Tenor, doch der Klang war völlig anders als "Alexanders" Stimme. NEIN, das war unmöglich....! Entgeistert starrte sie ihn an, bis ihr bewusst wurde, wie unhöflich sie sich verhielt. "Wie war noch mal ihr Name?", fragte sie mit bang klopfendem Herzen.

"Oh, ich vergaß mich vorzustellen - Alexander John, von John und John."

"Wie ich sehe, ist Frau Brede bereits fort. Ich fürchte, sie hat sich ins Wochenende verabschiedet...", parierte sie mit innerlicher Erleichterung. Sie hoffte den Mann so rasch wie möglich loszuwerden. Bedauernd sah er sie an, schüttelte seinen Kopf und verabschiedete sich höflich. Gerade als er am Ende des Flurs war, klingelte Corinnas Handy.

"Jaaa," sagte sie gedehnt und nannte sehr leise ihren Namen. "Hallo Corinna, hier ist Alex." Entsetzt starte sie dem Mann auf dem Gang hinterher - er stieg gerade in den Fahrstuhl....

"Hier ist etwas merkwürdiges passiert. Die Sekretärin hat meine Termine auf meinen Vater umgebucht, da ich heute Früh zum Flughafen nach Düsseldorf musste...! Bitte warte in der Firma auf mich. Um 15.00 Uhr bin ich da." Ermattet ließ sich Corinna auf einem Stuhl nieder, da ihr die Beine versagten. "Corinna, bist du noch da?" Seine besorgte Stimme ließ sie in die Wirklichkeit zurückkehren. "Ja", hauchte sie. "Ich warte auf dich....!"

Mit weichen Knien stand sie vor dem Bürogebäude und wartete. Ein Taxi hielt vor dem Gebäudekomplex. Ein gutaussehender, blonder Mann von Anfang dreißig stieg aus. Mit großen Schritten kam er auf sie zu. "Hallo Corinna!", sagte er und strahlte sie an. "Du siehst genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Darf ich dich in ein Cafe einladen? Ich denke, wir haben uns viel zu erzählen."

Mit einem glücklichen Lächeln sah sie ihn an und nickte. Endlich war der richtige "Alexander" aufgetaucht und sie war fast sicher, es würde nicht nur beim Kaffee bleiben...!

 

Wo geht´s denn hier zum Honecker-Haus...?


Eine der besten Geschichten schrieb die Geschichte selbst.

Einen Teil dieser Geschichte kennt fast jeder aus den Medien - sie kann sogar in den Geschichtsbüchern nachgelesen werden.

Es geht um den Zerfall der Deutschen Demokratischen Republik – doch damit endet die Geschichtsstunde wie wir sie kennen...

 

Kurz nach der Grenzöffnung begann ein Reiseboom, der im Frühjahr und Sommer des Folgejahres eine Reisewelle in die neuen Bundesländer auslöste, die größer schien als kurz nach der Wende. Die Möglichkeiten, ohne lästige Einreisevisa und Geldumtausch einreisen zu können, beflügelten die sogenannten „Wessis“ nahezu sich jederzeit ins Auto zu setzten und loszufahren. Alte Kontakte wurden belebt. Verwandte, die man bis dato nur von Beerdigungen und aus Briefen kannte, wurden besucht, oder man reiste einfach durch die neuen Bundesländer und genoss die Natur auf der Suche nach irgendeiner Unterkunft. Es gab so viel zu entdecken.

 

Der Kontakt zur Familie nach Mecklenburg war immer sehr intensiv. Wann immer es möglich war, reisten meine Eltern, bereits während meiner Kinderzeit, mit dem Interzonenzug zur Großmutter – trotz aller Anträge und Anmeldungen. Nach dem Mauerfall konnten wir stressfrei das Auto nutzen, wie tausend andere Menschen auch.

 

Als mein Mann und ich im Sommer nach Öffnung der Mauer die nächst größere Kreisstadt erreichten, waren wir entsetzt, was sich in der Zwischenzeit verändert hatte: Beinahe an jeder Ecke stand eine „Imbissbude“ oder „Burgerbraterei“. Zudem wiesen diverse Hinweisschilder auf Zimmervermietungen oder freie Wohnungen hin. Glücklicherweise fuhren wir etliche Kilometer weiter bis zum Dorf meiner Großmutter. Dieser Ort hatte beinahe dreißig Einwohner, die mir alle seit meiner Kindheit vertraut waren.

 

Die Wohnung meiner Großmutter lag im Seitentrakt des Forsthauses.

Gleich nach unserer Ankunft berichtete sie von diversen Ruhestörern, die sich bereits bis zu ihr verlaufen hatten, oder beim Förster per Telefon den Weg nach Drewitz erfragten. Alle wollten das „sagenumwobene Honeckerhaus“, sehen, welches in gut vier Kilometern Entfernung lag. Es war Magnet der Reiselust. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für uns undenkbar, dass dieser idyllische Ort Dreh- und Angelpunkt des Tourismus geworden war.

 

Bereits eine halbe Stunde nach unserer Ankunft, wurden wir eines Besseren belehrt:

Unseren eigenen Pkw hatten wir im Schatten der großen Kastanie vor dem Forsthaus geparkt. Es war Sitte bei meiner Großmutter erst gemeinsam einen Kaffee nach der Anreise zu trinken, ehe ausgeladen oder ausgepackt wurde. Die Kinder meiner Cousine waren nicht begeistert, dass sie noch auf ihre Überraschungen warten sollten. Ihre Gesichter hellten sich aber sofort auf, als sie die Erlaubnis erhielten mit unseren zweijährigen die Hühner und Kaninchen anzusehen.

Gerade, als wir vor unserem Kaffee saßen, hörten wir draußen gleich zwei Autos vorfahren. Wir trauten kaum unseren Augen, als es kaum eine Minute später an der Haustüre polterte, die Küchentüre ohne Erwiderung aufgerissen wurde, und ein junger Mann von circa zwanzig Jahren verwirrt in Omas Küche stand.

Verdutzt blickte er uns an. Nicht minder erstaunt, vielleicht auch ein wenig geschockt, schauten wir zurück. Bis meine Großmutter freundlich fragte:

Suchen Sie jemanden...?“ Als er immer noch nichts sagte, fragte ich „...und stürmen Sie immer ohne Anzuklopfen in fremde Häuser...?“

Ja ...ahm..., ich wollte...“ Er brach ab.

Wohl kaum Boris Becker imitieren“, stellte meine Großmutter grinsend fest. An ihren Augen sah ich, diese Situation hatte sie schon einige Male erlebt. Gerade noch rechtzeitig unterdrückte mein Mann einen Lachanfall.

Ja, ... ich wollte wissen....“, stammelte der arme Kerl mit einer Entschuldigung, „wo geht`s denn hier zum Honeckerhaus?“, platzte er dann mit der Frage heraus.

 

Mittlerweile hatten die Kinder den Rundgang auf dem Forsthof abgeschlossen und kamen um die Ecke. Ich zwinkerte ihnen zu, und bat sie, den Weg durch den Wald zum Honeckerhaus zu beschreiben. Die Kids waren pfiffig genug und wussten sofort, welchen Weg ich meinte, als ich meinen Arm Richtung Drewitz ausstreckte...

Sie schickten die Fahrer über den etwas holprigen Waldweg, der aber die direkte Verbindung darstellte.

Es ist ein landschaftlich wirklich reizvoller Weg“, versicherte ich mit einem freundlichen Lächeln.

 

Am Nachmittag in der Kreisstadt belohnte ich die Mädchen mit einem großen Eis. Zudem bestärkte ich sie in ihrer Idee, ein Schild für den hohen Strommasten an der Wegkreuzung zu malen.

Als sie fertig waren, zeigte ein dicker Pfeil in Richtung Holperstrecke.

Darunter stand:

„Zum Honeckerhaus.“

 


Gartenglück


Für meine Großeltern bedeutete ein eigenes Stück Land mit Obstbäumen, Beerensträuchern und selbst gezogenem Gemüse ein Stück Lebensqualität.
Sie erlebten den Weltkrieg mit all seinen Entbehrungen, der Kälte des Winters und der Flucht. Vielleicht bedeutete ihnen gerade deshalb das eigene Stück Garten so viel. Es war für sie die Unabhängigkeit der Selbstversorger.
Der Boden wurde umgegraben und belüftet, Komposterde selbst hergestellt. Setzlinge auf der Fensterbank gehegt und gepflegt, ehe sie ausgebracht wurden. Erst mussten die Eisheiligen vorüber sein, damit eventuelle Nachtfröste keinen Schaden mehr anrichten konnten.
Meine Oma sammelte in heißen Jahren Kartoffelkäfer von den Pflanzen ab, stellte Bierfallen gegen Schnecken auf, und Ameisen vertrieb sie mit Zimt. Ihr Garten wurde zu jeder Zeit biologisch bearbeitet. Pflanzenjauchen stärkten die Jungpflanzen oder halfen Rüsselkäfer und Läuse abzuwehren.
Kräuter für Salate und Gemüse waren wichtige Gewürze in der Küche. Fruchtfolgen wurden vorbestimmt: sobald das erste frühe Gemüse geerntet wurde, folgten die nächsten Sorten, die mehr Wärme und Sonne benötigten.
Einer meiner Großväter pflanzte in den fünfziger Jahren selbst gezogenen Tabak an. Eine Pflanze fand mein Vater zufällig fast drei Jahrzehnte später wieder, als er ein neues Kompostgitter anlegte. Als Raucher in jender Zei,t legte er einige Blätter zum Trocknen aus und probierte den Tabak selbstverständlich auch.
Hühner, Enten oder Kaninchen fanden oftmals ein schattiges Plätzchen im Garten. Der Kaninchen- wie Hühnermist wurde untergegraben und düngte die Erde. Starkzehrer wie Kartoffeln, Tomaten und Gurken gediehen meist prächtig.
Ende Juni, spätestens Anfang Juli wurde das Erdbeerbeet bearbeitet,Jungpflanzen ausgedünnt oder verpflanzt. Die Altpflanzen kamen in frische Erde. Auf das ursprüngliche Erdbeerbeet wurden Grünkohlpflanzen gesetzt. Otmals spielte der Stand des Mondes eine wichtige Rolle, dessen Aussathinweise schon seit Jahrtausenden ohne Veränderung Anwendung finden. Über Sommer füllte sich die Vorratskammer mit Einweckgläsern, in denen Erdbeeren, Kirschen, Äpfel, Pflaumen oder Birnen als Kompott eingekocht wurden. Im Spätsommer wurde Weißkohl mit Salz zu Sauerkraut eingestampft. Eine Kanne
aus frisch gebrühten Pfefferminztee kam allabendlich im Herbst auf den Tisch. Frische Kartoffeln, gekocht, gebacken, gestampft oder gebraten rundeten den Speiseplan ab, ebenso Gemüsesuppen.
Zu Allerheiligen war das eingelegte Sauerkraut ausgereift und wurde zum Sonntagsbraten als Schmorkraut gereicht.
Im Zweifelsfalle ernährte der Garten mit frischen Erträgen die Familie. Was fehlte, konnte zum größen Teil aus den eingeweckten Vorräten oder dem Grundnahrungsmittelbestand ergänzt werden.
Zum GLÜCK fehlt also nur der eigene Garten. ...!

 

 

"Ist doch nur ein Leckerli"

Unser jüngstes Kind war nach manch einer „kleinen Einkaufsrunde im Ort“ regelrecht beladen mit Süßwaren. Als es etwa zweieinhalb Jahre alt war, wusste es bereits genau, in welchen Geschäften es „ein Leckerchen“ gab…
Beim Metzger eine Scheibe Wurst,
beim Bäcker ein süßes Brötchen mit den ekeligen, roten Lollis. Dabei bemühte ich mich vergeblich, den Damen in der Bäckerei klar zu machen, dass unser Kind allergisch auf den roten Farbstoff reagierte…! Einmal erhielt ich die schnippische Antwort, dann werfen Sie ihn doch weg – klar, wenn die Verkäuferin dem Kind das Brötchen mit dem "klebrigen Teil" in die Hand drückt.. Dann ist es die „böse Mama“, die den Lutscher aus dem Brötchen nimmt - nicht die Verkäuferin!
Beim Fischhändler gab es eine Minitüte mit Gummibärchen und in der Apotheke eine Minitüte mit Schokolinsen und Traubenzucker dazu. Damit war beinahe der Wochenvorrat an Süßwaren in einer knappen Stunde beisammen…

Im Laufe der Zeit bemerkte ich, dass es keinen Sinn machte, mit den Leuten zu diskutieren, oder Erklärungsversuche zu starten. Also schloss ich ein Abkommen mit meinem Kind. Alles, was es unterwegs erhielt und eingepackt war – bis auf eine Scheibe Wurst – wurde in den Einkaufskorb für später gelegt. Manch einer wird nun sagen, aber das Brötchen bekommen die Kids doch direkt in die Hand gedrückt… Auch hier wandte ich eine kleine List an und erklärte, dass das Kind gerade erst gegessen hätte, man möge es bitte in eine Tüte packen... Ja, ja, ich weiß, Mamas können so gemein sein...!

Daheim teilten wir die Süßigkeiten mit dem „Geschwisterkind“, welches bereits Vorschulkind war, und beide hatten Freude an den „Leckerchen“.
Auf diese Art und Weise reduzierte sich nicht nur die Zuckerzufuhr, nein, der Lerneffekt, dass man durchaus auch etwas abgeben kann, und teilen sollte, wurde spielerisch unterstützt…!

 


Auf der Suche nach dem großen Glück

 

Wir alle sind Wanderer, Suchende und Hoffende.
Manch einer hofft auf den Lottogewinn, wieder andere auf eine Erbschaft, ein Dritter, wartet auf die Rückmeldung seiner Bewerbung im gewünschten Ausbildungsberuf. ..! Fakt ist, wir alle haben Träume und Wünsche, Ziele und Hoffnungen in vielen Belangen.
Doch vergessen wir darüber nicht die kleinen Dinge des Lebens? Dinge, die es lebenswert, angenehm und schön machen? Liebenswürdigkeiten, Freundlichkeiten, Hilfsbereitschaft und so viel mehr?
Es sind die kleinen Dinge im Leben, die sich zu „einem großen Glück zusammenfügen“ können:

  • Das erste Lächeln des eigenen Kindes/Enkelkindes
  • Ein freundlicher Zeitgenosse, der mir eine Türe aufhält, wenn ich schwer zu Tragen habe
  • Frühlings- oder Sommerblüten auf der Wiese
  • Freundschaften, die sich über Jahrzehnte bewährt haben
  • Ein gutes Gespräch mit den Kollegen beim Essen
  • Ein lang erwarteter Brief/oder eine E-Mail
  • Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen…
Es ist das irdische Glück, welches uns glücklich macht. Nicht die Suche nach dem einen, großen Glücksmoment.
Glück setzt sich aus vielen kleinen oder einzelnen Momenten, Erlebnissen und Begebenheiten zusammen, die unser Herz tief berühren und die Seele streicheln.Glück lässt sich schwer beschreiben. Man fühlt es, und wer es erfährt, strahlt es aus. Glück ist ein Geschenk, welches wir verstehen lernen müssen, damit wir es erkennen und annehmen können.

 


Erlebnis Rehabilitation


Was mich in meiner ersten Rehabilitation erwarten würde, ahnte ich wirklich nicht. Die Ziele für meine Genesung hatte ich im Vorfeld aufgeschrieben, Stressfaktoren eingerechnet und alle nötigen Papiere wie Röntgen-CD´s besorgt.

Bei all den Hochglanzbroschüren und Internetauftritten, sowie der Werbung im Allgemeinen, ist man geneigt, zu glauben, was einem suggeriert wird:

 

- an einen "Wellnesstempel" mit natürlicher Mineralwasserquelle

- dem persönlichen Therapeutenteam für Krankengymnastik und Ergotherapie

- dem versprochenen Komfort in den Zimmern

- einer Cafeteria mit Sterneküche ...


Spätestens vor Ort erkennt man, vieles wird "schöngeredet, oder hübsch abgelichtet"...

Letztendlich liegt es an unserer Wahrnehmung - wir glauben, was wir sehen.

Der Kurort, in dem ich mich seinerzeit befand, war kein "unbekanntes Örtchen". Von je her wurde hier gekurt!

Herzöge, Adel, Prinzregenten, selbst ein Zar gab diesem Städtchen die Ehre und der Glanz vergangener Zeiten begleitete den Besucher auf Schritt und Tritt. Beinahe an jedem Haus fand sich eine Plakette oder Gedenktafel mit historischen Verweisen auf diese Persönlichkeiten. Kein Wunder also, dass der Chefarzt in seiner Begrüßungsrede ebenfalls auf die Historie verwies....

Vielleicht glaubten deshalb einige Damen, der Adel wäre noch immer präsent und unterwarfen sich einem strengen Modediktat. Da kam ich mit meiner schlicht geschnittenen, aber praktischen Sportbekleidung kaum mit! Es musste ein Top drunter, eine Tunika mit Spaghettiträgern drüber und dazu das Luis Vuitton-Täschchen zur Gymnastik für die Hallenschuhe und Wasserflasche sein....

Der Badeanzug von weiß Gott wem entworfen, dazu Bikini oder Tankini mit Rüschen und Schleifen verziert waren die Eyecatcher der Rehamode. Deren zweifelhafte Tauglichkeit sich spätestens im Wasser offenbarte. Bei der Wassergymnastik rissen Träger oder der Stoff gab so extrem nach, dass der Ausschnitt bis zum Bauchnabel rutschte. Einigen teilnehmenden Herren dürfen "diese Perspektive" durchaus gefallen haben. 

Modisch waren die Herren im Vorteil. Ihnen genügte im Regelfall ein T-Shirt mit der Aufschrift ihrer Lieblingsbiermarke.

Es gab auch modebewusstere Herren. Sie bevorzugten Shirts mit Sprüchen wie:

Bitte küssen, ich bin Italiener!

Oder: Anfassen erlaubt....

Der Kurschatten war das Unwort der Rehabilitationseinrichtung. Heute heißt es kurz

RÜP = Rehabilitations-Überbrückungs-Partner

Am Ende der ersten Woche zeichneten sich bereits die ersten RÜP-Paare ab.

Zwei Mal in der Woche war An- wie Abreisetag. Das Menschengewimmel im Eingangsbereich und rund um die Cafeteria vermittelte einem das Gefühl Teil eines Ameisenstaates zu sein.

Irgendwann tauchte dann doch noch ein prominenter Mensch auf - jedenfalls sah er einem Prominenten sehr ähnlich. Sehr zur Freude der oben beschriebenen Supermodels. Ein stattlicher Mann. Besonderes Augenmerk lag auf seinem Bart, eine Klasse für sich: Wie im Kino waren Perlen eingeflochten. Seine Haare trug er nicht offen, (denn da waren kaum welche), der Rest war zu einem schlichten Pferdeschwanz gebunden.

Lederjacke, coole Brille, die eingeflochtenen Bändchen im Bart, fuhr er mit dem Motorrad die Auffahrt hinauf.  Das Alter machte auch vor ihm nicht halt. Auch er hatte seine Probleme - Schlafstörungen auf jeden Fall, denn er knatterte  kurz vor sechs Uhr in der Frühe mit seinem Motorrad um die Klinik. Verwegener Blick und bei genauer Betrachtung hatte er durchaus Ähnlichkeit mit Gandalf dem Grauen aus Herr der Ringe - in jüngeren Jahren....

Am Ende der Kurmaßnahme erkannten die meisten Gäste, tendenziell wird auch hier mit Wasser gekocht, sowie gute Selbstdarstellung fürs Marketing betrieben.

Letztendlich sollte das persönliche Wohlbefinden und die Genesung im Fokus stehen. Keinesfalls die Belanglosigkeiten eines Essensplans, der nicht der angekündigten Vier-Sterne-Küche entspricht, oder die modischen Auftritte auf dem tristen Teppichstreifen zwischen Anmeldung und Wasserspender! Die Menschen, die uns vor Ort helfen und mit Ratschlägen oder Tipps für das alltägliche Leben helfen sind wichtig! Nicht die Umgebung oder die vermeintliche Sterneküche.

 

 

Elfenzorn:


In einer Zeit, in der Menschen und Feen zufrieden miteinander lebten, besaßen die Elfen noch ihre Zauberkräfte, und die Macht das Böse abzuwehren. Die Harmonie zwischen den Welten war somit ausgeglichen. Doch die Machtgier einiger Menschen nahm zu. Sie wollten einerseits mehr über die geheime Welt der Elfen wissen, oder sich andererseits ihre Magie zunutze machen. Manch einer glaubte, es gäbe verborgene Schätze an Berghängen, im Wiesenrain und den tiefen Wäldern, wo einige alte Feenvölker lebten.

Die älteren und weisen Feen zogen sich mehr und mehr aus der Menschenwelt zurück, wieder andere glaubten nicht mehr an ihre Werte. Sie lebten mit den Menschen und zeugten Kinder, die zu Halbelfen wurden. Viele von ihnen waren sich des alten Wissen nicht mehr bewusst, oder konnten ihre vorhandenen Kräfte nicht immer kontrollieren …

Siri war eine Halb-Elfe. Sie liebte das Ballett und die Natur, hatte eine liebe wie gute Menschenfreundin gefunden und besuchte die achte Klasse des Gymnasiums. In Biologie war sie unschlagbar. Sie ahnte nicht einmal, dass all ihr Wissen auch die uralte Elfenmagie enthielt. Marietta ihre Freundin bewunderte sie sehr und war ein wenig eifersüchtig, dass Siri all dieses Wissen scheinbar zuflog. Die beiden Mädchen hatten viele Gemeinsamkeiten und so war es nicht verwunderlich, dass sie bei all ihren gleichen Interessen irgendwann einmal für denselben Jungen schwärmten.


Konrad war bereits in der elften Klasse. Er interessierte sich sonst kaum für Mädchen, da er sich auf das Abitur vorbereitete und gerade deshalb entstand ein Wettstreit zwischen Siri und Marietta um die Aufmerksamkeit von Konrad.

Du scheinst dich für Konrad zu interessieren“, sagte Siri mit honigsüßer Stimme zu Marietta.

Ja, er gefällt mir, daher habe ich mich für den Kurs in Fotographie angemeldet. Konrad ist auch im Kurs und dort habe ich mehr Möglichkeiten mit ihm ins Gespräch zu kommen“, erzählte Marietta ihr noch ohne Argwohn.

Siri nickte und machte sich eigene Gedanken.

Ihre Eltern lebten in einem Haus in der Nähe des Waldes, mit einem großen Garten. Oftmals lag ein dichter Nebel über dem Grundstück, was ihr unwirklich wie geheimnisvoll aussehen ließ. Sie überlegte und kam zu dem Schluss, dass es Konrad gewiss interessieren würde, hier seine Schwarz-Weiß-Fotos zu machen…

Wenige Tage später lud Siri Konrad zu sich ein, damit er sich vor Ort ansehen konnte, wie traumhaft die Natur mit einem Nebelschleier aussehen konnte, die sie ihm zuvor in den glühendsten Farben geschildert hatte.

Das ist ja phantastisch“, schwärmte er.

Genauso eine Stimmung wollte ich mit meiner Kamera einfangen.“

Siri lächelte kokett und stellte sich an einen Baum, von dem sie wusste, dass er ihre elfenhafte Aura zur Geltung brachte. Prompt fotografierte er sie und zeigte seine bearbeiteten Bilder von dem bezaubernden Haus und Siri am Folgetag in der Gruppe.

Marietta platzte fast vor Wut, als sie die Bilder sah.

Was bildet Siri sich bloß ein? Sie wusste doch ganz genau, dass ich mich in Konrad verliebt habe“, dachte sie grimmig. Marietta fand es gemein von Siri, sich nun auch an Konrad heranmachen zu wollen…

Na warte“, dachte sie ärgerlich, „die nächste Mathematikarbeit kommt bestimmt, dann wirst du dich aber wundern Siri…“.

Siri kaute gelangweilt auf ihrem Füller herum und hatte noch keine Matheaufgabe zu Ende gelöst. Sie verstand Mathe einfach nicht. Jedes Mal hatte Marietta ihr bei den Lösungswegen geholfen, indem sie ihr das Löschblatt ihres Heftes zuschob, so dass sie abschreiben konnte. Doch dieses Mal tat Marietta so, als wüsste sie selbst die Lösungen nicht. Kurz bevor die Hefte abgegeben werden mussten schrieb sie rasch alle Ergebnisse hin und klappte ihr Heft zu. Ohne Siri eines Blickes zu würdigen, ging sie nach vorne ans Lehrerpult und gab die Arbeit ab.

Siri spürte wie Ärger und Wut in ihr aufwallten. Sie wurde vor Zorn dunkelrot im Gesicht, so dass kleine goldene Lichtpunkte in ihren Haaren zu glänzen begannen. Siri spürte eine Energie in sich brennen, die sie noch nie wahrgenommen hatte.

Was war denn jetzt los?“, dachte sie mit leichter Panik

In der Pause ging ihr Marietta aus dem Weg und sprach nicht einmal mit ihr.

Stattdessen stand sie in einer Ecke mit Konrad zusammen und kicherte albern, als er einen Scherz machte.

Siri drehte sich auf dem Absatz um und stürmte in die Mädchentoilette, da ihr schon wieder so heiß wurde. Als sie in den Spiegel sah, bemerkte sie, dass kleine Lichtpunkte in ihren Haaren leuchteten. Siri war sprachlos, fand aber, dass sie mit den lichtgesprenkelten Haaren noch hübscher aussah als vorher.

Vermutlich ist das die Pubertät bei uns Halb-Elfen“, überlegte sie und freute sich trotz ihres Ärgers diebisch, dass sie nun hübscher als ihre Freundin war. Sie wusste von ihrer Mutter, dass sie als Halb-Elfe mit allerlei Überraschungen zu rechnen hatte, die bei jeder Halb-Elfe anders ablaufen konnten.

Zum Ende des Unterrichts beobachtete Siri, dass Marietta auf das Moped von Konrad stieg und mit ihm davon fuhr.

Da war es um ihre Fassung geschehen. Die erneut aufwallende Wut verlieh ihr Kraft wie Schnelligkeit. Sie stieg auf ihr Fahrrad und radelte mit ungewohnt hohem Tempo hinter den beiden her. Immer darauf bedacht, den Abstand zu wahren, dass sie nicht sofort entdeckt wurde, folgte sie ihnen auf den alten Friedhof. Der Tag war regnerisch und ein leichter Schleier lag über den Grabsteinen des uralten jüdischen Friedhofs.

Siri versteckte sich hinter einem großen immergrünen Feuerdornstrauch, um das weitere Geschehen zu beobachten.

Er macht tatsächlich auch Fotos von Marietta“, folgerte sie.

Eine enorme wie, unheilvolle Kraft wuchs in Siri, denn sie befand sich an einem kraftvollen wie magischen Ort. Sie ahnte nicht, dass der Feuerdorn ihr schadete, da das Blut einer Feuerelfe durch ihre Adern floss. Binnen Sekunden entzündete sich der Busch. Alles um sie herum stand in Flammen. Der trockene Busch explodierte förmlich und das Licht war gleißend hell. Fast blind irrte Siri durch das Dickicht und stolperte langsam daraus hervor. Doch auch sie selbst hatte einiges abbekommen, ihre Jacke hatte Feuer gefangen, die Haare waren angesengt. Laut schreiend, mit dem Gefühl erblindet zu sein, tastete sie sich aus dem Inferno, welches sie selbst durch ihre Wut entfacht hatte.

Konrad und Marietta zuckten erschrocken zusammen. Fassungslos starrten sie auf Siri die aus dem Flammenbusch kam. Während Konrad fasziniert durch den Sucher seiner Kamera schaute und einiges Fotos machte, griff Marietta nach einer Gießkanne und löschte Siris Jacke. Danach zerrte sie Siri mit sich zum Brunnen und half ihr vorsichtig das Gesicht zu waschen. Siris Augenbrauen waren verbrannt, die Haare angesengt, auf ihrem Oberarm hatte sich eine Brandblase gebildet. Während Konrad hilflos zusah, wie Marietta Siri die Jacke auszog, atmete Siri völlig aufgewühlt ein und aus, als bekäme sie keine Luft.

Es ist alles in Ordnung, Siri“, redete Marietta leise auf sie ein.

Du hast glücklicherweise nur eine große Brandblase am Arm, die heilt schnell wieder ab. Mit etwas Glück, sieht man nicht einmal eine Narbe…“.

Benommen sah Siri in die Richtung aus der Mariettas Stimme kam.

Ich kann nichts sehen“, weinte sie panisch.

Konrad half Siri auf sein Moped und langsam schoben sie das hilflose Mädchen nach Hause.

Ihre Mutter stand schon am Gartentor. Sie wirkte völlig aufgeregt und sah fassungslos auf die leise weinende Siri.

Ich spürte, dass etwas geschehen sein musste“, flüsterte sie heiser vor Sorge.

Mit einem Blick erkannte sie, dass ihre Tochter nichts sehen konnte.

Kommt mit in den Garten“, sagte sie knapp und führte Siri unter eine Buche.

Über das, was ihr jetzt seht, müsst ihr Euer ganzes Leben lang Stillschweigen bewahren“, sagte sie im verschwörerischen Ton.

Marietta wie Konrad konnten nur nicken, zu bedeutungsvoll waren der Schrecken und die Angst um Siri, ob sie wieder sehen würde.

Siris Mutter wusste, dass die beiden schweigen würden und klopfte drei Mal auf den Buchenstamm. Dazu murmelte sie Worte in einer Sprache, die niemand verstand, geschweige denn nachsprechen konnte.

Langsam stiegen glitzernde Lichter aus der Baumkrone auf und schwebten hinunter auf die Erde. Sie sammelten sich und begannen, sich im Rhythmus einer nicht hörbaren Melodie um den Buchenstamm zu bewegen. Siris Augen waren weit aufgerissen, so als wolle sie etwas sehen, was in weiter Ferne lag.

Als der Elfentanz endete, schien sie aus einer anderen Welt zu ihnen zurückgekehrt zu sein.

Mutter, was ist mit mir geschehen?“, fragte sie verwirrt.

Deine kraftvolle Magie hat dich zur vollwertigen Feuerelfe gemacht. Deine Schwestern haben dir den Weg gewiesen, wie du mit deiner Gabe umgehen musst, um weder dir noch anderen Schaden zuzufügen“, antwortete ihre Mutter schlicht.

Mit großen Augen hatten ihre Freunde zugesehen und bemerkten erst jetzt, dass Siri offensichtlich wieder sehen konnte.

Erleichtert fielen Marietta und Siri sich in die Arme.

Seit dieser Zeit sind die Beiden wieder unzertrennlich.

Konrad wurde beiden Mädchen ein ehrlicher wie aufrichtiger Freund.

Nie wieder, so schwor er sich, wollte er zwischen zwei Freundinnen entscheiden - oder noch schlimmer - sich dem Zorn einer stürmischen wie eifersüchtigen Feuer-Elfe stellen müssen…

 

 

 

Winterzeit = Ruhezeit

Eisblumen an den Fenstern, Raureif auf Gräsern und Pflanzen, zugefrorene Seen bei klirrender Kält oder Schnee, so haben unsere Großeltern und Eltern noch den Winter erlebt. Zu dieser Zeit gab es selten Zentralheizungen oder fest schließende Fenster. Durch die Ritzen der Holzrahmen zog es und die kalte Luft schien überall zu sein, da es kaum Jalousien gab.

Die Zeit zwischen den Jahren, sowie die im Monat Januar, galten als Ruhezeit. An den langen Abenden vor dem Ofen oder offenen Kamin wurde viel von den Großeltern erzählt oder Wissen an die Kinder weitergegeben. Das geschah durch Erzählungen wie praktischen Anwendungen.

Die letzten Schweine wurden geschlachtet, in Salz eingepökelt oder Schinken und Mettwürste im Rauchfang des Kamin geräuchert. Die meisten Aufgaben der Vorratshaltung mussten jedoch bereits im Herbst erledigt sein.

Im Winter legte man Pläne und Zeichnungen für die Fruchtfolgen des kommenden Jahres auf den Äckern und für die Gärten an. Dabei lernten schon die Kleinsten, welches Gemüse miteinander wuchs und welches besser nicht zusammen angepflanzt wurden, weil sie sich nicht riechen können...

Tomaten und Gurken mögen beispielsweise nicht beieinander stehen. Dafür werden Erdbeeren aromatischer, wenn Minze zwischen den Pflanzen wächst. Knoblauch hält Schädlinge fern. Mit Bananenschalen, fern von jungen Salatpflanzen ausgelegt, lockt man Nacktschnecken an, die sonst die zarten Pflanzen fressen würden.  Gerätschaften wurden ausgebessert und zum Teil erneuert.

Das Leben war Abhängig von Rhythmus der Natur. Hausmittel halfen gegen Erkältungen, die Rezepte wurden in der Familie weitergegeben oder verfeinert. Das Essen war einfach aber deftig. Gemüseeintöpfe und selten Fleisch, allenfalls an Sonntagen. Fettgebackenes wie Krapfen mit Rosinen, Apfelschnitzeln oder „Hefeballen“ mit Marmelade (Berliner), wie wir sie aus der Karnevalszeit kennen, gab es an Sonntagen, wenn die Verwandten zum Kaffee nach dem Kirchgang kamen. Manchmal wurden bereits am Vortag Berge von Waffeln mit dem "Tickeisen“ in der Mitte der Ofenmulde über der Glut im Herd gebacken. Dazu wurde der Herd nur mit einer bestimmten Holzsorte beheizt, damit die Temperatur lange vorhielt. Traditionen wurden gepflegt und weitergegeben, Feiertagsriten eingehalten und zelebriert.

 

Vieles von diesem alten Wissen ist heute leider verloren gegangen und würde sicher auch uns „modernen Menschen“ noch von Nutzen sein. Bereits im Mittelalter begannen Nonnen wie Mönche ihr Wissen zu sammeln, zusammenzutragen und aufzuschreiben. Glücklicherweise ist noch heute einiges überliefert, wie Rezepte von Hildegard von Bingen, die uns immer noch zu Gute kommen.

 

 

Eine winterliche Weihnachtsgeschichte mit "magischer Nachhilfe!...


Ist Amor ein Weihnachtself?

Die kleinen Weihnachtshütten auf dem Gutshof waren aufgebaut und zwei Tage vor dem geplanten Markttreiben begann es zu schneien.

Janette bemerkte beim Verlassen der Autobahn die Glätte und fuhr im Schritttempo weiter. Sie sah die funkelnden Sterne über dem See, in dem sie als Kind oft geschwommen war und dachte, welch malerische Kulisse für den Weihnachtsmarkt....

Erinnerungen an die Kinderzeit kamen ihr in den Sinn. Als das Dach des Gutshofes sichtbar wurde, begann ihr Herz heftig zu klopfen:

Die Kindheit in dem kleinen Dorf, bis die Eltern nach Hamburg zogen, der Abschied von ihrer Freundin Marietta und Nick, ihrem Bruder, in den sie verliebt war. Der spärliche Kontakt, da Nick im Auslandsjahr war und ihre Vertrautheit aufgrund der Entfernung langsam abhandenkam...

Janette verscheuchte die Gedanken, parkte und griff nach ihrer Reisetasche.

Sie betrat die gemütliche Gutsküche durch den Hintereingang. Hier herrschte emsigees Treiben. Marietta füllte Teller mit selbstgebackenen Keksen. Sie bemerkte die Freundin erst, als die Türe ins Schloss fiel. Jubelnd fiel ihr Marietta zur Begrüßung um den Hals.

"Du kommst wie immer im richtigen Moment. Ich könnte gerade Hilfe gebrauchen, ehe wir es uns später am Lagerfeuer gemütlich machen", lachte sie fröhlich.

"Magst du dich erst frisch machen, oder etwas trinken? Du kaennst dich ja aus. Ich kann hier gerade nicht weg..." Entschuldigend blickte sie Janette an.

"Lass hören, wo brennt es?" Janette stellte die Tasche in eine Ecke, wo sie nich störte und sah Marietta an.

"Könntest du bitte den Korb vom Tisch sowie den Glühweinbehälter am Stand Nummer sieben abgeben - es ist die Hütte neben dem Heuboden", lächelte Marietta. "ist so gut wie erledigt". Janette griff nach den gewünschten Sachen und stapfte ums Haus. Als sie um die Ecke bog, sah sie Lichter und Fackeln, die den Gutshof in ein Weihnachtsland der eigenen Art verwandelten. Einen Augenblick blileb sie stehen, um die Stimmung auf sich wirken zu lassen.

Die alten, verschneiten Bäume der Streuobstwiese und der unberührte Schnee in den Beeten wirkten magisch. Gerüche von Zimt, Koriander und Anis lagen in der luft. Dazwischen hörte man das Knacken der Holzscheite vom Lagerfeuer.

Sie ging vorbei an Holzschnitzereien, Krippen, Schneekugeln, Häkelspitzen und bestickten Deckchen, bis sie Hütte sieben erreichte. Sie gab die Sachen ab und beschloss, sich in Ruhe umzusehen, als ein großer Mann direkt vor ihr stehen blieb.

Ein vertrauter Geruch von Davidoffs Cool Water stieg ihr in die Nase. Ehe sie aufsah, wusste sie, es war Nick.

"Janette, du bist schon da!"

Mit inniger Herzlichkeit umarmte er sie und wirbelte sie herum. "Du bleibst doch etwas länger, als nur über das Wochenende?" In seiner Stimme lag Herzlichkeit und ein hoffnungsvoller Blick, der Schnee zum Schmelzen bringen konnte.

"Hallo Nick, es ist schön dich zu sehen", murmelte sie. Ihm so unverhofft gegenüber zu stehen, hatte sie aus dem Gleichgewicht gebracht. "Nein! Nein, ich muss a-am Montag... früh zurück...fahren...", stotterte sie. "Schade, ich hatte gehofft, wir könnten etwas Zeit miteinander verbringen. Ich wollte mit dir zu Wildtierfütterung, wie früher", setze er leise hinzu.

"Vielleicht kann ich - aufgrund der Wetterverhältnisse - am Montag frei nehmen."

 

.... WEITER GEHTS:

Er griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich durch die Budengasse "Komm mit, ich habe eine Überraschung vorbereitet...!" Mit einem spitzbübischen Grinsen sah er sie an.

Janette bemerkte zwei kleine Weihnachtselfen, die Zuckerstangen verteilten. "Weihnachtselfen", rief sie überrascht, "eine hübsche Idee."

"Sie stammt von unserer Mutter, auch das Kerzengeißen für die Kleinsten war ihr Einfall."

"Euer Weihnachtsmarkt wird von Jahr zu Jahr schöner."

"Es freut mich, dass er dir gefällt. - Entschuldige bitte, ich muss mich kurz um meine Pflichten als Gastgeber nachkommen." Bedauernd sah er sie an. Seine Augen waren dunkel und geheimnisvoll. Nick brachte eine Seite in ihr zum Klingen, die sie schon lange nicht mehr gespürt hatte. Als er ihr Hand losließ, spürte aie ein Gefähl von Bedauern.

Plötzlich stand ein kleiner blonder Junge im Elfenkostüm vor ihr. Er sah sie eindringlich an, sagte aber nichts. Sein Blick wanderte wissend zwischen ihr und Nick hin und her. Dann lief er wieder davon. Überrascht sah sie ihm nach.

Vom Lagerfeuer zog der Geruch von gegrillen Würstchen und Stockbrot durch die Luft, und plötzlich stand der blonde Elf wieder an ihrer Seite.

"Na mein Kleiner, möchtest du ein Stockbrot, oder lieber ein paar Kekse?" Er schüttelte den Kopf und reichte ihr eine Zuckerstange.Lächelnd nahm sie die Zuckerstange und streichelte ihm über das Haar. Im nächsten Moment hielt ihr jemand die Augen zu.

"Marietta - ich weiß, dass du es bist!"

"Nein, falsch geraten", sagte eine volltönende Stimme hinter ihr.

"Was soll das Nick?" Unsicher wandte sie den Kopf um.

"Schließ deine Augen", flüsterte er leise hinter ihr.

Sie drehte sich zu ihm um.

"Bitte schließ deine Augen, jetzt zeige ich dir die versprochene Überraschung."

Widerspruchslos gehorchte sie, wie schon in der Kinderzeit, während er erneut nach ihrer Hand griff und sie mit sich zog. Sie spürte den frischen Schnee unter ihren Füßen knirschen und ließ sich von ihm führen.

"Jetzt kannst du deines Augen wieder öffnen."

Sie standen im hinteren Teil des Gartens vor einem Grillkamin, der wohlige Wärme abstrahlte. Vorm Kamin stand ein Standkorb, der mit Schaffellen, Decken und Kissen ausgelegt war, so dass die Kälte einem nichts anhaben konnte. Auf dem Tisch davor standen zwei Gläse und eine thermoskanne mit Apfelpunsch.

"Wie bist du denn auf die Idee gekommen?", rief Janette begeistert.

"Das war eine deiner Ideen, dvon hast du immer gewschwärmt", erklärte Nick

Vor Freude fiel sie ihm lachend um den Hals und küsste ihn spontan auf die Wange.

"Ich freue mich, dass es dir gefällt", flüsterte er. Liebevoll sah er sie an und zart legten sich seine Lippen auf ihren Mund. Als er sie ansah, ahnte er, welche Fragen sie sich nun stellen mussten.

"... du bist ganz blass geworden... - ich wollte dich nicht so...", Nick suchte nach Worten, ..."überfallen..."

Janette setzte sich in den Strandkorb und sah auf das Feuer, als der Kopf des kleinen Elfenjungen hinter dem Kamin hervorlugte. Verwundert schloss sie die Augen. Das konnte nicht sein!

"Nick, wir haben Besuch", sagte sie, zeigte auf den Kamin und lächelte.

Überrascht drehte er sich um. "Da ist niemand." Besorgt sah er sie an.

"Doch - da war gerade noch einer eurer Elfen, der kleine blonde Junge."

"Wir haben keinen blonden Elfenjungen." Jetzt war Nick wirklich besorgt. Fürsorglich goß er Janette etwas Apfelpunsch in ein Teeglas.

"Er gab mir eine Zuckerstange, ich habe sie hier, schau." Sie zog die Zuckerstange aus ihrer Jackentasche und legte sie in seine Hand.

"Die ist nicht von uns! - Moment, da steht etwas - ...Elfmade...? "Mhh, ich glaube, da hat jemand nachgeholfen", murmelte er verwundert.

"Vielleicht ist Amor ja doch ein Weihnachtself....", sagte Janette leise. Dabei grinste sie ihm spitzbübisch an.

Nick sah tief in ihre Augen. "Es wäre schön, wenn du bald wieder kommst, wir haben viel zu besprechen. Ich hatte mich schon damals in dich verliebt, als ihr nach Hamburg gezogen seid. Es war wie Liebe auf den ersten Blick, nur langsamer, bis der Schnee schmilzt!"

Er zog Janette in seine Arme und küsste sie innig. Dabei fiel ihr Glas warmer Apfelpunsch vom Tischchen.

An der Stelle, wo er in den Schnee sickerte, schmolz der Schnee und gab eine kleine Stelle vom grünen Rasen frei.

Der kleine, blonde Elf lief so schnell er konnte vom Kaminversteck durch das Blumenbeet zur wartenden Marietta und beide schlcihen sich leise kichernd davon.

 

Genau ein Jahr später machte Nick seiner Janette auf dem Weihnachtswaldmarkt einen Heiratsantrag...

 

 

Ein Hund mit Namen Voodoo

Seit einigen Wochen verirrte sich eine streunende, abgemagerte Katze auf den Bauernhof. Die Kinder waren hellauf begeistert, als sie sich nach Wochen anlocken und füttern ließ. Irgendwann konnten sie das noch junge Tierchen sogar streicheln.

„Sie sucht sicher ein neues Zuhause“, versuchten sich die Kinder aufs betteln. Letzten Endes gaben die Eltern nach. Sie erlaubten, dass die Katze bleiben durfte. Unterschlupf fand sie im Stall. Sie erhielt den Namen Miez und wurde von der sechsjährige Anna getauft, indem sie eine Wasserflasche über ihr ausgoss... Miez war alles andere als begeistert. Seitdem suchte seitdem sie das Weite, wenn sie Anna sah.

Es wurde kühler, die Blätter der Laubbäume färbten sich bunt. Nach den ersten Herbststürmen lagen reichlich abgestorbene Äste Eicheln, Kastanien und Bucheckern, im Sumpfwald, die nur darauf warteten eingesammelt zu werden. Mit vollen Körben durchstreiften die drei Kinder bis zur Dunkelheit das Waldgebiet.

„Wir müssen nach Hause“, drängte Felix seine Schwestern.

„Ich muss noch bunte Blätter von verschiedenen Baumarten für die Schule einsammeln“, brummte Laura.

„Dazu hattest du doch genügend Zeit“, beschwerte sich ihr Bruder ungehalten. Er wusste genau, den Ärger bekam er, falls sie bei Anbruch der Dunkelheit nicht auf dem Hof sein würden. Ihre Eltern sahen es nicht gerne, wenn sie in der Dunkelheit im Sumpfwald waren.

„Ich brauche diese Blätter aber“, beharrte Laura, als ihre kleine Schwester plötzlich erschrocken nach ihrer Hand griff.

„Psst, da war was...“, sagte sie verschreckt.

„Quatsch, da ist nichts“, sagte Laura und schüttelte ihre Hand ab.

„Doch, Hirngespinste,“ unkte Felix und lachte sie aus.

„Doch, jetzt habe ich auch etwas gehört. Es klang wie ein winseln.“ Laura horchte in Wald hinein.

„Ihr spinnt doch alle beide!“ Felix war genervt.

Er ging einige Schritte vor, als auch er ein langgezogenes Jaulen hörte.

„Das ist ein Hund“, rief er.

„Vielleicht sitzt er im Moderloch und kommt nicht allein heraus“, kommandierte er. Schon rannte er los.

Atemlos kam er am Moderloch an, doch dort war das Tier nicht. Der mittelgroße, schwarze Hund lag ein Stück weiter unter einer dünnen, umgestürzten Birke. Offensichtlich konnte er sich selbst nicht befreien.

„Los, wir müssen ihm helfen“,kommandierte Felix, „wer weiß wie lange er dort schon festsitzt.“

„Was ist, wenn der beißt?“, jammerte Anna, die Jüngste.

„Der ist froh, wenn wir ihm helfen“. Laura streckte ihre Hand aus, ließ ihn daran schnuppern.

„Ist ja gut, wir helfen dir.“

Beruhigend sprach sie auf das unruhige Tier ein. Dabei versuchte sie gemeinsam mit Felix den kleinen umgestürzten Baum anzuheben, während Anna neugierig, aber ängstlich Abstand nehmend zusah.

„Du kannst auch mal helfen“, fuhr Laura sie an. „Locke ihn mit irgendetwas hervor..“

„Komm, Hundchen, komm“, rief die sechsjährige beherzt, als ihr nichts besseres einfiel.

Mit scheinbar letzter Kraft kroch er etwas vorwärts.

Entschlossen hob Laura ihn hoch, was er widerstandslos zuließ. „Schau nach, ob am Halsband eine Hundemarke ist oder ob es einen Hinweis auf seinen Namen gibt“, riet Felix.

„Im Halbdunkeln sehe ich nichts“, wehrte Laura ab.

„Dann nehmen wir ihn mit nach Hause“, sagte Felix entschlossen.

 

Daheim angekommen, schauten sie sich die Marke am Halsband an.

„Da steht etwas. Ich kann es kaum lesen, so zerkratzt ist die Marke...“, rief Felix erstaunt.

„Lasst mich mal einen Blick drauf werfen“, verlangte ihre Mutter, sie hielt bereits eine Lupe in der Hand.

Mit angehaltenem Atem standen die Drei um sie herum, in der Hoffnung, dass sie den Namen entziffern könnte.

„Da steht eindeutig Voodoo.“ Überrascht schüttelte die Mutter den Kopf. „Da hat sich jemand einen Schmerz erlaubt.“

„Aber wir dürfen ihn erst einmal behalten,ja?“

Prüfend sah die Mutter sie an. In Gedanken schien sie abzuwägen, was das Richtige sei.

„So lange bis seine Verletzungen am Rücken abgeheilt sind. Außerdem humpelt er noch ein wenig. In der Zwischenzeit horcht ihr in der Nachbarschaft oder im Ort herum, ob jemand einen Hund vermisst.

Sie bereiteten ihm ein kleines Lager in der Küche. Er schien gut erzogen, denn er pinkelte nicht einmal in die Küche. Sobald er raus wollte, meldete er sich. Nach einigen Tagen ging es ihm wieder besser und er sprang munter herum. Doch niemand schien ein Tier zu vermissen.

„Wir werden ein Foto von ihm machen, dazu schreiben wir einen kurzen Text und hängen Fotokopien an den Bäumen entlang der Schnellstraße auf. Vielleicht kam er von der anderen Seite der Ortschaft“, mutmaßte ihr Vater.

 

Kaum war der Hund im Haus geschahen merkwürdige Dinge. Am Morgen lagen mit einem Mal tote Ratten vor der Haustüre. Vorräte aus der Kammer verschwanden, obwohl das Tier genügend zu fressen bekam.

Am Reformationstag, den viele Jugendliche im Ort als Halloweentag feierten, wurde Voodoo unruhig. Der Tag begann mit einigen Aufregungen – Miez war verschwunden und unauffindbar. Voodoo jaulte den halben Tag oder kläffte aus unbekannten Gründen die Schafe an.

„Irgendetwas stimmt mit dem Hund nicht“. Der Vater wirkte besorgt. „Er wird doch nicht krank sein oder gar die Tollwut haben“, überlegte er.

Hatte er vielleicht etwas mit den Ratten oder dem Verschwinden der Katze zu tun? Es gab immer noch keinen Hinweis auf seinen Besitzer.

 

Auch Felix machte sich Sorgen. An einem Abend in der dunklen Küche leuchteten seine Augen so merkwürdig. Schließlich kam er aus dem Sumpfwald. Die Leute im Ort erzählten sich, dass es dort Geister gäbe. Bislang hatte er nicht daran geglaubt, aber jetzt...?

Kam Voodoo vielleicht aus der Zwischenwelt und wurde um Mitternacht zur Bestie? Was war, wenn er jemanden aus der beißt und Derjenige wohl möglich eine Verwandlung durchmachte? Felix liebte Horrorgeschichten und hatte schon viele gelesen, dass seine Phantasie mit ihm durchging.

Würde Voodoo am Ende der Nacht ein anderer, der durch den Schleicher der Zeiten gehen musste? Viele Fragen geisterten in seinem Kopf herum. Vielleicht reißt er unsere Schafe, weil er zum Werwolf mutierte?

Mittlerweile lief Felix ebenso aufgeregt hin und her wie Voodoo.

Die Nacht wurde stürmisch. Schaurig heulte der Wind lautstark ums Haus. In dieser Nacht schliefen alle Bewohner im Hause sehr unruhig... Ob es an den Schauergeschichten lag, die jeder zu erzählen wusste?

 

Am Morgen des Allerheiligentag war der Spuk vorüber. Voodoo hatte weder rote Augen, noch war er zum Monster geworden.

Und Miez? Als Anna am Morgen die Kaninchen fütterte, hörte sie Geräusche, die sie nicht zuordnen konnte. Vorsichtig schlich sie weiter, dann hätte sie beinahe laut los gejubelt. Dort lagen fünf kleine Kitten. Miez hatte in der Nacht Kinder zur Welt gebracht. Vermutlich war sie deswegen verschwunden.

Voodoo schien genauso wenig ein Herrchen zu haben, wie Miez einen Besitzer. So blieb auch er auf dem Hof. Da er sehr gelehrig war, wurde er im Folgejahr zum Hütehund für die Schafe ausgebildet...

 

 

Früchte des Spätsommers

 

Die ersten Spätsommernächte bringen uns endlich einen ruhigeren Schlaf. Wir genießen die Morgende beim Frühstück draußen im alten Park des Gutshauses ausgiebig. Das Obst nebenan auf der Streuobstwiese reift an milden Sonnentagen zur vollständigen Süße. Auf dem Gutshof wird eingeweckt, entsaftet und Marmelade gekocht, alles wie zu Großmutters Zeiten. Weißkohlköpfe geraspelt, mit Salz im Steinguttopf eingestampft damit bis zu Allerheiligen köstliches Sauerkraut daraus wird.
Ein atemberaubendes Farbenspiel aus rot-gelben, wie orange beige Schattierungen entwickelt sich innerhalb weniger Tage. An Sonnentagen zeigt sich ein einzigartiger, kobaltblauer Himmel über den knorrigen Laubbäumen, der eine farbenfrohe Kulisse für jeden Fotografen ist. Licht und Schatten fließen ineinander, bilden nahezu magische Lichtverhältnisse im Einklang mit der einfallenden Sonne, die uns zum Träumen verführt. Lugen dort zwischen den Hecken nicht Kobolde hervor? Tanzen über den hohen Blumenbeeten nahe dem Waldstück vielleicht sogar ein paar Elfen ihren Blütenreigen? Manch ein verspätetes Vogelkind schlüpft in diesen Spätsommertagen oder Igelkinder werden geboren.
Sobald die kühleren Tage anbrechen wandelt sich die Natur erneut. Es finden sich Tautropfen am Morgen auf Gräsern und Blättern oder zarte Nebelgespinste schweben durch die Luft. Die Hirsche röhren und brüllen um potentielle Konkurrenten zu vertreiben. Rufe von Wildgänsen die sich in den Auen versammeln um bei günstigen Winden aufzusteigen häufen sich. Schon bald brechen sie nach Süden auf. Auch Singvögel verlassen uns, um den weiten Weg in wärmere Gefilde anzutreten. Erste Blätter fallen, die Tage werden merklich kühler, die Zeit der Traubenernte ist da. Warme Schals und Socken gehören nun zur Standard-Garderobe, da der Wind kühl und heftiger weht. Gewässer klären sich, Teichbewohner wie die Frösche haben sich längst einen Unterschlupf gesucht. Der grandiose farbenfrohe Abschied des Sommers ist fast vorbei. Einerseits erfüllt es uns mit Wehmut, doch freuen wir uns durchaus auf ruhigere Zeiten, in der auch die Natur eine Atempause einlegt.
Ein Spaziergang um diese Jahreszeit kann durchaus Überraschungen mit sich bringen, es müssen nicht immer Beeren, Zapfen oder Blütenstände sein, die als Dekoration dienen. Bis Anfang November sollten sich spätgeborene Igelkinder ein Gewicht von etwa siebenhundert Gramm „angefüttert“ haben, um ihren Winterschlaf halten zu können. Doch leider irrt manch ein Winzling zu dieser Zeit noch rast-, und ruhelos draußen umher, stets auf der Suche nach etwas nahrhaftem. Sie sind, sofern nicht völlig schwach und ausgezehrt, dankbar für kleine Mengen Hunde- oder Katzenfutter nebst Wasser, damit sie an Gewicht zulegen. Letztendlich sie Wildtiere, die nur im Notfall mitgenommen werden dürfen. Taumelnde oder völlig schwache Tiere gehören jedoch in fachkundige Hände, wie die der Igelstationen.
Die Natur atmet langsamer, wirkt entschleunigt und bereitet sich auf den bevorstehenden Winter vor.
Wir können von der Natur lernen zu entschleunigen um die stille Zeit nach der Ernte zu genießen.

 

 

"Wie man seinen Menschen erzieht..."

Endlich Herbst! Die heißen Sommertage sind vorüber, es regnet hin und wieder, die ersten bunten Blätter fallen. Natürlich nimmt das Nahrungsangebot ab. Es gibt weniger Mücken wie Käfer, auch die Läuse sterben langsam. Dennoch, ich liebe die kräftigen Herbstwinde, mit deren Hilfe die ich über den bewölkten Himmel segeln kann. Sie geben mir Auftrieb, so dass ich manch eine Libelle am Teich entdecke, ehe sie meine Mahlzeit wird... Das Obst ist größtenteils abgeerntet, ebenso die Trauben und nur wenige süße Früchte hängen noch in den höchsten Wipfeln der Bäume. Das Obst verdirbt langsam dort oben, aber es ist noch fressbar und herrlich süß.
Bald schon hängen die Menschen Meisenknödel in die Äste oder stellen die Futterhäuschen auf. Sie füllen sie mit allerlei Leckereien und Saaten, damit wir nicht hungern müssen. Aber, wir Drosseln sind wählerisch. Alles mögen auch wir nicht.
Sonnenblumenkerne fressen wir zwar, doch das ist eher etwas für all die verschiedenen Meisenarten. Blau-, Kohl-, Hauben- und Tannenmeisen balgen sich um den besten Platz am Meisenknödel, zirpen und zwitschern um die Wette. Ab und zu fällt ein Schwarm Schwanzmeisen ein. So schnell wie sie auftauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Der Spuk ist rasch beendet.
Unsere Drossel-Familie ist schon lange in einem naturbelassenen Garten ansässig. Wir finden hier Deckung, Nistmöglichkeiten wie Nistmaterial, Wasser zum Trinken und Baden, aber auch ein großes Nahrungsangebot.
Mittlerweile haben wir unsere Menschen sogar dressiert! Sie wissen ganz genau, wenn wir zu ihnen auf die Fensterbank fliegen haben wir Hunger. Manchmal müssen wir uns aber auch bemerkbar machen, dann klopfen wir sachte mit dem Schnabel an die Glasscheibe.
Mal erhalten wir trockenes Brot, Brötchenkrümmel, Kuchen- oder Müslireste.
Im Müsli gibt es nicht nur Saaten wie Sesam oder Haferflocken, auch getrocknetes Obst von Äpfeln, Pflaumen und Mirabellen sowie Rosinen.
wMein persönlicher Favorit sind die süßen, saftigen Rosinen. Wenn ich Lust darauf verspüre, fliege ich auf die Fensterbank und bleibe dort so lange sitzen, bis mein Mensch mich entdeckt. Dann streiche ich mit dem Schnabel mehrfach über die Fensterbank und schaue ihn mit treuen Augen an. Meist versteht er schon, dass ich Appetit auf Rosinen verspüre und wirft mir die kleinen, klebrigen Leckerchen heraus.
Ich fresse sie rasch auf, ehe die Spatzen oder Finken "Wind davon bekommen" und mir selbige streitig machen wollen. Wenn ich fertig bin, fliege ich zunächst zur Tränke um etwas zu trinken, dann kehre ich zurück zur Fensterbank um mich zu bedanken. Schließlich bin ich eine gut erzogene Drossel. Als Dankeschön hinterlasse ich besten Dünger auf der gegenüberliegenden Seite der Fensterbank, denn auf der anderen Seite werde ich ja gefüttert....

 


Das Glück ist als Zwilling geboren. Man muss es teilen, um es zu multiplizieren

Lord Byron

 

Anfang der Neunziger Jahre entschied sich meine ältere Schwester Katharina ihren langjährigen Freund zu heiraten. Er war ein Bauerssohn der in der Nähe von München lebte.
Aufgrund meines Studiums in Lübeck fuhr ich mit der Bahn einige Stunden quer durch Deutschland. Erleichtert ergatterte ich mit meinem schweren Koffer einen Sitzplatz. Im Abteil saßen bereits ein älteres Ehepaar, sowie ein junger Mann, der mir freundlicherweise half, meinen Koffer ins Gepäcknetz zu hieven. Rasch kam ein nettes Gespräch in Gang. Bald schon stellte sich heraus, dass der junge Mann ein Studienkollege aus Lübeck war. Wir verfügten also über reichlich Gesprächsstoff und bemerkten erst, als das Ehepaar sich verabschiedete, dass wir bereits in Ulm waren.
Bis München waren wir allein im Abteil, erzählten von unseren Studiengängen, den Familien, den Vorlieben wie Aktivitäten. Zuletzt erzählte ich Jens von der bevorstehenden Hochzeit meiner Schwester auf dem Land. Er selbst wollte seinen Bruder besuchen, der zufällig im Nachbarort meines zukünftigen Schwagers lebte.
Mittlerweile kenne mich dort sehr gut aus. Wenn es dir zeitlich ins Konzept passt, würde ich mich freuen, wenn wir uns treffen könnten, um dir die Umgebung zu zeigen“, schlug er zögernd vor.
Ja, warum nicht“, antwortete ich errötend mit leicht klopfendem Herzen.
Als ich in München ausstieg, hatten Jens und ich Telefonnummern und Anschriften ausgetauscht, da wir auf jeden Fall in Kontakt bleiben wollten.
Mit großem Hallo, empfing mich meine Schwester auf dem Bahnhof.Die Eltern sind schon vor zwei Tagen angekommen, leider mit unserer Patentante. Du kannst es dir nicht vorstellen, bisher hatte sie an allem etwas auszusetzen,“ machte Katharina ihrem Ärger Luft.
Ich bin froh, dass Du endlich da bist. Ehrlich, es würde mich nicht wundern, wenn unser Tantchen in einer stillen Minute versucht, mir die Heirat auszureden. Sie deutete bei den Eltern etwas in der Art an. Du musst sie mir unbedingt vom Hals halten, oder von mir ablenken, bitte“, flehte sie in gespieltem Entsetzen, ehe sie eine Grimasse zog.
Wir lachten - Tante Elsbeth war der typische Stadtmensch. Natur, noch dazu ein Bauernhof mit Tieren, Äckern und Wiesen überstieg ihre Vorstellungskraft bei Weitem.
Hat sie ihre Garderobe für Polterabend, Hochzeit sowie die Zeit dazwischen schon ausgepackt“, fragte ich.
Ihre Modenschau hast du leider verpasst“, grinste Katharina.
Sagen wir mal alles einen Hauch zu festlich für den Polterabend in der Scheune. Da ist noch etwas, Klaus und ich mussten dir einen seiner Cousins als Tischherrn zur Seite stellen. Du bist momentan ja ungebunden“. Anhand ihrer Formulierung wusste ich, es gab einen Haken bei der Sache.
Lass mich raten, er hat eine Glatze? Oder was stimmt nicht mit ihm?“ Die Frage flog mir förmlich aus dem Mund, ehe ich darüber nachdachte.
NEIN“, rief Katharina etwas zu schnell.
Was ist es dann?,“ bohrte ich weiter.
Er ist eben etwas anders. Aber auch nicht unansehnlich oder schwul “, versicherte sie eilig als sie mein ärgerliches Gesicht sah.
Was meinst du mit anders Katharina?“
Fast dreißig, introvertiert, ohne langandauernde Beziehung.“
Wohl möglich lebt er noch bei Mutti. Worüber soll ich dann den ganzen Abend mit ihm reden?“
Ich atmete tief durch, ehe mir weitere, uncharmante Dinge entschlüpften.
Bitte Corinna“, Katharina warf mir einen flehenden Blick zu.
Auf gar keinen Fall. Wer sagt denn, dass ich keinen Begleiter habe...?“
Mein vorlautes Mundwerk hatte sich wieder einmal verselbständigt.
Du hast einen neuen Freund?“
Nein, nur jemanden mit dem ich, sagen wir mal lose befreundet bin“, versuchte ich die Situation zu retten.
Lose befreundet, klingt fast wie ein bisschen schwanger“, lästerte Katharina.
Wir haben uns erst vor kurzer Zeit kennengelernt. Jens ist ein Kommilitone.“
Und weiter?“ Katharina ließ nicht locker.
Mehr gibt es nicht dazu zu sagen,“ fuhr ich sie ärgerlich an.
Die Hochzeit ist erst in drei Tagen, lade ihn ein, dann musst du dich auch nicht mit dem Muttersöhnchen herumärgern.“
Ich wollte ihn nicht gleich der gesamten Familie präsentieren,“ wehrte ich ab.
Ruf ihn an.“ Für Katharina war die Sache entschieden.
Da hast du dich in einen schönen Mist manövriert“, dachte ich verärgert.
Gleich am nächsten Tag verabredeten wir uns. Die Gesprächsthemen gingen uns nicht aus, wir redeten wie alte Freunde. Es wurde Zeit meine Idee „an den Mann“ zu bringen.
Überrascht sah Jens mich an.
Das ist eine nette Geste Corinna, dennoch möchte ich niemandem zur Last fallen. Schließlich ist es eine Familienfeier und ich bin ein Fremder.“
Ich entschied mich ehrlich zu sein, deshalb erzählte ihm von meiner Misere.
Du möchtest einem unbequemen Verwandten deines zukünftigen Schwagers entgehen,“ lachte er.
Ja, ich hoffe du verstehst mich. Wir reden so offen miteinander, als würden wir uns schon Jahre kennen. Es wird niemandem auffallen, dass es nicht so ist.“
Dann solltest du anfangen mir ein paar Dinge aus deinem bisherigen Leben sowie deiner Mitbewohnerin in Lübeck zu erzählen..“
Du rettest mich aus einer heiklen Situation, ich schulde dir mehr als ein Essen.“
Abgemacht, ich nehme dich beim Wort.“
Jens erschien zum Polterabend. Er wurde von allen freundlich aufgenommen. Wir lachten viel und bald verstanden wir uns ohne Worte, die Luft zwischen uns knisterte.
Am Tag der Trauung verabredeten wir uns am Kirchenportal zu treffen. Sicherheitshalber nannte ich ihm die Bankreihe, falls ich aus rätselhaften Gründen vorzeitig in der Kirche sein musste.
Die ersten Hochzeitsgäste versammelten sich vor der Kirche, die Glocken läuteten, doch keine Spur von Jens. Ich beneidete meine Schwester um ihre Ruhe, denn ich war ich ein Nervenbündel obwohl es nicht meine Hochzeit war.
Was wäre wenn Jens es sich im letzten Moment anders überlegte und doch nicht erschien?“
Corinna, lass uns schon hineingehen,“ unterbrach unsere Mutter meine panischen Überlegungen.
Dein Freund sucht gewiss noch nach einem Parkplatz.“
Zerstreut nickte ich .
An der Ecke der Kapelle entdeckte ich ihn und wollte gerade freudig zu ihm gehen. Doch im nächsten Moment erstarrte ich. In der Zwischenzeit begrüßte ihn schon mein Schwager. Mir wurde kalt und heiß, er trug die Kluft eines Pfarrers...
Um mich herum begann sich plötzlich alles zu drehen. Ich vermochte nicht zu sagen ob es an Jens Aussehen lag, oder daran, dass ich nicht gefrühstückt hatte.
Mir wird übel,“ murmelte ich, ehe mir schwarz vor Augen wurde.
Als ich zu mir kam, lag ich auf den harten Pflastersteinen. Vorsichtig betastete ich meine Schläfe, fühlte etwas feuchtes und sah das Blut an meinen Fingern. Die besorgten Gesichter von Katharina und Jens waren über mir. Als ich den Kopf zur Seite drehte stand Jens zu meiner Überraschung auch dort.
Es wird schlimmer,“ stöhnte ich „ich sehe alles doppelt“.
Tief durchatmen“, sagte Jens Stimme von rechts, während seine Stimme auf der linken Seite besorgt fragte: „Corinna, kannst du aufstehen?“
Peinlich berührt hauchte ich: „Ich versuche es“.
Noch immer bemühte ich meine Gedanken und aufgewühlten Gefühle zu sortieren.
Warum hast du mir nicht erzählt dass du auch Theologie studiert hast“ stammelte ich fassungslos während er mir auf half
Jens schmunzelte.
Ich bin hier zwar aufgewachsen, studiere aber wie du in Lübeck. Joachim ist mein Bruder und seit einem Jahr hier der Pfarrer“.
Oh“, hauchte ich verwirrt.
Sein Bruder Joachim zog mit der Hochzeitsgesellschaft in die geschmückte Kirche ein, während ich noch immer zittrig mit einem Pflaster an der Schläfe an Jens Arm die Kirche betrat. Ein weiteres Mal sah ich ihn verstohlen von der Seite an, dann seinen Zwillingsbruder.
Sie waren eineiige Zwillinge, aber bei genauem Hinsehen konnte man die Zwei unterscheiden.
Ganz ehrlich, Herzklopfen bekam ich nur, wenn ich Jens ansah.

 

Die List des Zwergenkönigs

 

Vor langer Zeit, als die Naturvölker der Elfen, Elben, Feen und Zwerge noch in der Gemeinschaft mit den Menschen lebten, entwickelte sich eine Fehde zwischen dem hohen Herrn der Isle of Skye und dem Zwergenkönig Laurin.

Bis zu jener Zeit gaben die Menschen den Zwergen einen kleinen Teil ihrer Ernteerträge ab. Der hohe Herr von Castle Ewen, dessen Haus mitten im Steinkreis des Feenlandes des Fairy Glen lag, geriet in Streit mit dem gierigen Zwergenkönig.

Fairy Glen ist ein mystischer Ort auf der Isle of Skye – ein Land zwischen den Welten.

Ab sofort verlangte Laurin ein Drittel aller Erträge und Einkünfte des Landes. Das zweite Drittel forderte er für die Feen, welche nichts von seiner dreisten Forderung wussten, noch danach verlangten...

Allenfalls im Sommer erbaten die Feen einige süße Früchte als Winternahrung, aus dem sie Nektar brauten. Dazu gehörten Beeren und Mirabellen. Als sie von Laurins dreister Forderung erfuhren, wandten sie sich von seinem Volk ab, verbannten Laurin aus ihrem Reich und blieben den Menschen verbunden.

Erbost darüber, dass seine Pläne nicht fruchteten, schwor Laurin Rache. Doch plötzlich verschwand er ganz von der Isle of Skye. Laurin, wie sein Volk gerieten während zwei Jahrhunderten völlig in Vergessenheit.

Viele Menschengenerationen später wusste kaum jemand von der Sage um die Rache des Zwergenkönigs Laurin.

Auch im Feenreich wuchs eine neue Generation heran, welche unbeschwert lebte und nichts von dunklen Machenschaften des alten Zwergenkönigs ahnten.

Die Welt bewegte sich weiter. Was von Menschenhand geschaffen wurde, verging. Die Natur eroberte zurück, was einst ihr gehörte. Zwei Jahrhunderte später erinnerte nur noch ein Steinkreis im Tal der Feen an Castle Ewen. Über die Freundschaft zwischen dem Herren der Insel und den Feen legte sich der Schleier des Vergessens und so lebte jeder fortan in seiner Welt.

Der neue Clanführer Malcom McConnery war ein gerechter Anführer, der sich um Frieden zwischen den Clans und dem Feenreich bemühte. Endlich sah Laurin seine Chance gekommen. Er bemühte sich um die Gunst der neuen Feenkönigin. Sie kannte die alte Fehde nur aus Erzählungen. Laurin setzte alles daran, die Geschichte aus seiner Sicht dazustellen:

Die Menschen haben ohne jedweden Grund erwogen, ihre Abgaben an uns einzustellen“, erzählte er Elona. „Sie sind selbstsüchtig und böse“, schimpfte Laurin.

Schon deine Großmutter wollte etwas gegen den Clanführer unternehmen, tat es dann aber nicht.“

Mir hat sie nie etwas darüber erzählt“, wandte Elona ein. Beeren sammeln wir in den Wäldern. Selten wagen sich einige von uns in den Nächten in die Gärten der Menschen, um in den Besitz einiger Mirabellen zu kommen. Sag mir, warum sollten wir Streit mit ihnen beginnen? Missgunst, Neid und Hass kosten Kraft. Kraft, die wir nicht haben, da unser Volk seit Jahrhunderten schrumpft.“

Warum in Gottes Namen wollt Ihr nicht einfordern, was Euch zusteht?“, Lorin wirkte zornig.

Doch wenn Ihr diesen Weg ablehnt, wüsste ich etwas anderes, damit die Menschen ein für allemal ihre Lektion lernen,“ versuchte er erneut sein Glück.

Wie genau sieht Euer Plan aus, Zwergenkönig?“

Schickt die schönste Eurer Feen zur Burgfeste. Sie soll sich dort als Magd verdingen. Alles weitere überlasst mir!“, sagte er plötzlich sehr freundlich.

Ich will dem Clanführer Malcom nur eine Lektion erteilen. Auf diese Weise möchte ich seine Bereitschaft, erneut mit uns zu verhandeln, beschleunigen.“

Ich stimme nur unter einer Bedingung zu: Niemandem darf ein Leid geschehen!“

Ich verspreche es Euch...“, schmeichelte er.

Also gut. Möglicherweise ist er dann zu einem Gespräch bereit.“

 

Ein Etappenziel hatte Laurin erreicht. Jetzt mussten die Feen ihren Teil erfüllen. Kendra war die schönste Fee, die Laurin je sah. Sie war von zierlicher Gestalt und ihr blondes Haar leuchtete wie gesponnenes Gold. Die Augen waren tiefblau, wie die unergründlichen Tiefen in den Schottischen Seen. Ihre Anmut beeindruckte selbst Laurin. So bedurfte es keines Zaubers, um Malcom in ihren Bann zu ziehen.

Es kam wie Laurin es erhoffte. Malcom verliebte sich in Kendra. Aber auch Kendra entwickelte Gefühle für den stolzen Anführer des Clans.

Beide fanden zueinander und lebten einige Jahre glücklich miteinander, bis Kendra das Heimweh überkam. Trotz ihrer Liebe zu Malcom sehnte sie sich zurück.

An einem schönen Sommertag durchwanderten Malcom und Kendra das Feental. Plötzlich lief Kendra hinunter ins Tal des Fairy Glen. Malcom folgte ihr. Vermutlich ahnte er, was sie bewegte oder ihr Heimweh bewirkte. Da er sie sehr liebte, versuchte er sie festzuhalten, doch er bekam nur ein Stück ihres Umhang zu fassen, ehe sie für immer ins Feenreich verschwand.

Jetzt war Malcom ebenso unglücklich wie Kendra zuvor. Das Stück ihres Feenumhang diente viele Jahrzehnte als Fahne seines Hauses und wurde zum Glücksbringer seines Clans.

Bald darauf starb Malcom an gebrochenem Herzen und Kendra irrt noch immer unglücklich, traurig und allein durch den Fariy Glen. An trüben Sommertagen hören Wanderer manchmal ihr Wehklagen, wenn sie das Fairy Glen durchwandern.

 

 

Waldtherapie - Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben

 

Für gestresste Manager und Mitarbeiter empfehlen viele große Firmen neuerdings eine Waldtherapie. Von Freitag bis Sonntag Nachmittag werden überarbeitete Kollegen auf Firmenkosten in den wunderschönen Wald geschickt, um sich ihrer Ursprünglichkeit bewusst zu werden.

Untergebracht werden sie meist auf spezialisierten Bauernhöfen mit merkwürdig anmutenden Gütezertifikaten. Diese bieten zur regulären Übernachtung, gegen Aufpreis versteht sich, eine Übernachtung im Heubett an. Heißt übersetzt – sie schlafen im Stall zwischen Spinnen und anderem Getier. Zurück zur Natur könnte die Zertifizierung das Qualitätssiegel hier lauten.

Die Hochglanzmagazinbranche sieht ein großartiges Geschäft in diesem Trend. Sie verdient tüchtig mit, indem sie seitenweise Anzeigen von Feriendomizilen auf dem Land schaltet. Farbenfrohe Fotos mit romantischen Texten lassen den verklärten Städter das lustvolle Ambiente des Landlebens neu entdecken.

Für Wochenendseminare reisen in der Regel zwei fachlich kompetente, hochmotivierte, wie qualifizierte Entspannungstherapeuten an. Manches Mal kommt sogar jemand für eine Aromatherapie dazu - als gäbe es auf dem Land nicht genügend Gerüche. Plumskloidylle eingeschlossen.

 

Barfuß durch den Wald laufen, die müden Füße im klaren Wasser eines Bachs abkühlen, sich selbst erspüren, zurück zur Ursprünglichkeit unserer Wurzeln finden, sind einige Programmpunkte. Ein weiterer das Umarmen von Bäumen.

Im Dort meiner Großmutter sah ich niemanden einen Baum umarmen, nicht einmal den Förster. Der Markierte sie allenfalls mit einer Spraydose für den Holzeinschlag. Vielleicht umarmen ja einige Jugendliche im Bierrausch den einen oder anderen Baum wenn sie von der Dorfdisco im Nachbardorf oder demSchützenfest durch den Wald heimkommen.

Was das Barfußlaufen angeht, unsere Oma hätte uns gewiss den Hintern versohlt, wären wir barfuß durch den Wald gelaufen. Wer von einer roten Waldameise, die sich zufällig in die Sandalen verirrt hat, traktiert worden ist, weiß was Schmerz bedeutet...

Kollektives Angeln ist ein weiteres Wellnesshighlight im Flyer.

Wer sich ein wenig mit dem Angeln auskennt, weiß, dass Fische auf Geräusche reagieren. Man angelt in der Stille.

Was nutzt es, wenn direkt am Ufer eines Sees erst lange Einweisungen für die Handhabung des Angelgeräts erfolgen, und alle Teilnehmer durcheinander fragen, oder mit ihren Eimern klappern? Die Fische haben dann längst das Weite gesucht, und kein noch so schmackhafter Köder wird sie veranlassen zu beißen.

Was die Seminare nicht zeigen ist das wahre Leben.

Aufstehen morgens um fünf Uhr. Kühe melken, die Milch zur Abholung bereitstellen und füttern. Ställe misten, Heu vom Heuboden holen oder in die nebenan liegenden Stallungen hinüber karren.

Danach sind die Hühner dran: Eier aus den Nestern nehmen, abwaschen und verpacken. Zwischendurch das Frühstück für die Familie vorbereiten weil der Schulbus pünktlich kommt, um die Kinder in das zehn Kilometer entfernte Kreisstädtchen zu bringen.

Einkäufe um die Ecke kann man hier nicht machen. Man muss motorisiert sein. Der nächste kleine Supermarkt liegt drei Kilometer entfernt und ist alles andere als günstig. Hier bekommt man einige Grundnahrungsmittel, Kosmetika und Getränke. Die Auswahl ist eingeschränkt. Das wahre Landleben ist hart. Ein Leben im Rhythmus der Jahreszeiten. Letztendlich dürfen Beeren und Obst an Sträuchern und Bäumen nicht vergammeln. Alles muss zum Markt, die Ware bedeutet Einnahmen.

Ganz ehrlich, an einem Wochenende kann man das einfache Leben unmöglich „erfahren“. Erst Recht nicht mit zertifizierten Antistress-Therapeuten, welche mit ihren neuen, sauberen Gummistiefeln und Landoutfit a la Lodenjacke daher kommen, und glauben, sie hätten das Leben auf dem Land neu erfunden.

Das natürliche Leben kann man nur Schritt für Schritt erfühlen, erleben und erfahren wenn man sich mit all seinen Sinnen darauf einlässt.

Es ist viel mehr als eine „Wochenend-Lebenseinstellung“.

Diese Geschichte entstand im Rahmen der Ausschreibungsmodalitäten des Viglius Mountain-Ressorts.


 

Trauer

Lerne mit der Trauer zu leben!

Gib ihr Raum in Deinem Herzen, lache und liebe mit ihr,

denn sie wird Dich Dein Leben lang wie ein Schatten begleiten und nie ganz vergehen,

wenn Du einen geliebten Menschen verloren hast!

 

 

 

Wann beginnt der Frühling?

Eines ist klar, wenn es laut Kalender Frühling wird, dann muss er nicht auch zwangsläufig beginnen!

Ist es vielleicht das Schneeglöckchen oder das erste Grün des Krokus? Sind die Störche, die aus Afrika zurückkehren unsere speziellen Frühlingsboten, oder doch eher die Singvögel? Egal, welche Blume, welches Tier, der Frühlingsbeginn zeigt sich für jeden anders!

Wir spüren dass die Jahreszeit im Wandel ist.

Die Tage werden bereits Ende Januar merklich länger – ein untrügliches erstes Zeichen, das die dunkle Winterzeit vorüber ist. Für kurze Zeit erreichen die ersten Sonnenstrahlen die Erde. Noch befindet sich die Natur in einer Art Wartezeit um für den richtigen Augenblick gewappnet zu sein. Doch der Kampf der Naturelemente ist zwischen Januar und März noch nicht beendet. Erst wenn die Sonne über dem Horizont höher steigt, besiegt sie die Frühlingsstürme und verdrängt die Kälte.

Das rasche Hervorbrechen aller Naturkräfte durch das Keimen von Pflanzen - wie Hyazinthen, Tulpen und Narzissen, zeigen uns den Lebenswillen der Natur. Die Zeitumstellung ist für viele Menschen dann der endgültige Frühlingsstart. - Warum? Ganz klar, weil die Frühjahrsmüdigkeit jetzt beginnt!

Die Mutter meines Vaters sprach in dieser Zeit immer vom „Reinemachen des Hauses“. Schon bald stapfte sie, bewaffnet mit Putzeimer, Schrubber und Wischmopp sowie einem Staubtuch in die Küche. Ihr Gesichtsausdruck war grimmig und so rückte sie dem Winterdreck auf den Pelz! Sie blies symbolisch zum Hallali auf Staub und Schmutz. Spätestens jetzt war es an der Zeit die Flucht zu ergreifen, weil sie dann übellaunig loslegte um auf Schränken und in den Ecken Spinnen zu jagen. Gardinen wurden abgenommen und ausgetauscht, in Schränken herumgekramt und die letzten Spekulatien vom Weihnachtsfest hervorgeholt... Unter uns gesagt, wir Kinder sagten immer, bei Oma gibt es die Vorösterlichen...!

Manch einer räumt, wie auf ein geheimes Signal die Wintergarderobe nach hinten in den Schrank und tauscht sie gegen die leichtere Frühjahrsbekleidung. Wieder andere sortieren Bücher, Papiere oder ähnliche Formulare von ihrem Schreibtisch in Ordner ein. Manch einer quält sich um diese Zeit durch die Steuererklärung – sowie ich beispielsweise….

Fakt ist, ein unruhiges Treiben setzt ein, immer noch abwartend, auf einen Hinweis, der uns richtig durchstarten lässt.

Für mich persönlich ist der Frühling nicht mehr fern, wenn das erste Grün des Schnittlauchs zu sprießen beginnt und ich so viel davon abschneiden kann, dass es für die erste Pfanne mit Rührei zum Sonntagsfrühstück mit der Familie ausreicht!

Geschrieben für die Lesewanderung 2013 in Gladbeck

 

 

Gedanken zum Glück

Was macht uns wirklich glücklich? Selbst Glücksforscher haben bislang keine eindeutige Antwort darauf gefunden. Aber sie haben eine "Anleitung zum Glücklichsein" erstellt wobei die Ideen dahinter von mir stammen:

Das Lächeln eines Kindes!

Rituale - wiederkehrende Abläufe oder Familientraditionen gehören z. B. dazu Alles Dinge die wir selbst gerne haben.

Das einfache Leben - Barfuß über eine Wiese laufen, ein spontanes Picknick irgendwo auf einer Bank oder unterwegs auf einer Wanderung

Düfte - Gerüche aus der Kindheit: Bohnerwachs auf alte Dielen, Zimtschnecken oder Waffeln, wie Oma sie gebacken hat,

Alte Fotos - wenn wir alte Fotos ansehen und über uns selbst lachen könne, die Kleidung, die Frisuren, am besten mit unseren Freunden von damals.

Eine schlichte Mahlzeit - Wein, Weintrauben, Käse und ein gutes Gespräch, ein perfekter Tagesausklang.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll als Inspiration dienen. Sicher fällt Euch selbst auch eine ganze Menge dazu ein...

 

 

"Versäumte Momente"

Mit ihren sechsundachtzig Jahren war sie geistig wie körperlich immer noch recht fit zu nennen. Klar, das Auf- und Abhängen von Gardinen sollte sie tunlichst vermeiden, hatte der Arzt ihr gesagt, doch an „Wohlfühltagen“, kam es durchaus vor, dass sie es trotzdem tat und sogar auf die Leiter stieg.

Das Ergebnis ihrer Mühen wurde von ihren Kindern jedoch weder bestaunt noch gelobt, sondern gescholten. Die erwachsenen Kinder verstanden sie nicht. Wollte sie doch noch so viel wie möglich allein bewerkstelligen – so wie früher - als ihr alles noch flotter von der Hand ging und sie nicht ständig um etwas bitten musste...

Schlimm waren jene langen, dunklen Herbst- und Wintertage, an denen sie nicht viel tun konnte. Das Tageslicht war trübe, der Tag zog sich, für sie war er qualvoll und lang. Nein, diese Jahreszeit empfand sie oftmals als langweilig. Das Lesen bei Lampenlicht ermüdete die Augen, an der Nähmaschine sah sie kaum noch etwas im winzigen Licht der kleinen Nähmaschinenbeleuchtung, geschweige denn einen Faden konnte sie einfädeln. Das Häkeln und Stricken ging ihr nicht mehr so gewandt von der Hand und manches Mal, fielen ihr einige Maschen vom Nadelspiel, besonders beim Wechsel zwischen vier Nadeln. So verlor sie nach und nach die Lust daran, für ihre Enkel Sökchen oder Fäustlinge zu stricken.

Einwecken oder Einkochen musste sie für sich allein auch nichts mehr, andernfalls es gab ja Tiefkühlgeräte wo die Sachen frisch hineingelegt wurden.

Das mühevolle Teig kneten um Brot zu backen erledigte die Küchenmaschine für sie. Außerdem gab es selbstgebackenes Brot allenfalls an besonderen Festtagen.

Ja, die Zeit hatte sich gewandelt, ebenso wie ihr Geist und ihr Körper: Sie hatte Arthrose in den Gelenken, die Beweglichkeit ließ nach und alles, was sie tat erforderte mehr Zeit. Wie oft hatte sie sich als junge, berufstätige Frau mehr Freizeit zwischen Familie und Beruf gewünscht? Jetzt hatte sie diese freie Zeit, doch alles dauerte länger. Sie konnte die vielen fehlenden Stunden nicht nachholen oder nacharbeiten, auch war es ihr nicht möglich die Zeit zurückzudrehen, ihre „Wohlfühltage“ zu verlängern, oder gar anzuhalten.

So sehnte sie sich nach den Tagen zurück, wo sie unbeschwerter gelebt hatte, zum Beispiel ohne Schmerzen. Mit dem Alter kamen die Beschwerden, die Einsamkeit und irgendwann auch die Vergesslichkeit, vor der sie sich so sehr fürchtete. Denn nun hatten ihre Kinder kaum Zeit für sie. Nur zu gern hätte sie ihnen gesagt, nehmt Euch mehr Zeit zum Leben, zum Genießen, zum Freuen. Einfach nur um Euch später erinnern zu können, an den Zauber eines besonderen Augenblicks. Einen Augenblick in Eurem Leben, von dem Ihr im Alter oder sogar den Rest Eures Lebens zehren könnt... Oder war es ihre Wahrnehmung, die ihre Tage so lang und öde erscheinen ließ?

Lebenszeit sollte in schönen Momenten, dem Lachen und mit dem Herzen gemessen werden, dachte sie und schlief ermattet ein. Mit  einem beseelten Lächeln auf den Lippen glitt sie hinüber in eine andere Welt. Ihre letzten Gedanken waren irgendwo, wo Zeit keine Rolle mehr spielte. Vielleicht war sie aber auch schon in der Ewigkeit, die ein ganz anderes Zeit-Potential hat...

(Diese Geschichte entstand im Rahmen einer Ausschreibung zum Thema Zeit)

 

 

"Gärtnerfreud, Gärtnerleid..."

Der Frühling ließ in diesem Jahr wieder lange auf sich warten. Mal Regen, mal Schnee, dann wieder Hagel. Stellenweise gab es auch sonnige Abschnitte, doch es sah eher nach Winter als Frühling aus. Selbst die bunten Eier am Apfelbaum konnten den Frühling nicht anlocken. Dabei lugten ganz verschüchtert bereits die ersten Krokusse aus der Erde und vorsichtig schoben sich die noch festen, grünen Blütenansätze von den Tulpen aus satt grünen Blättern ans Licht. Es schien als wartete die Natur nur auf ein geheimes Signal. Die ersten Vögel begannen hin und wieder ein Lied zu trällern und vereinzelt sah man Spatzen oder Meisen mit einem Zweig oder weichem Nistmaterial im Schnabel. Trauten sie sich wirklich schon jetzt ihr Nest zu bauen? Die Tauben auf dem Dach gurrten bereits am frühen Morgen und auch Herr und Frau Drossel begannen ihre neckische Jagd, die meist mit einem Happy-End endete, so lange kein Rivale auftauchte.

Doch an einem Morgen war es soweit, die Sonne ging auf und schien beinahe den ganzen Tag. Die Krokusse öffneten sich und ein zarter Duft lag in der Luft. Auch der Apfelbaum zeigte seine ersten festen Knospen. Die wärmende Sonne schien das Signal zu sein, auf das Tiere und Pflanzen so lange gewartet hatten. Die Wiese zeigte sich mit blühenden Gänseblümchen und auch das Moos am schattigen Seitenrand leuchtete in einem kräftig-sattem Grün. Die Osterglocken öffneten sich im Laufe des Tages und zeigten sich in leuchtendem Gelb. Aber auch anderes "Grünzeug" war auf dem Vormarsch: Der erste Löwenzahn und Ansätze von "Unkräutern" zeigten sich zwischen den Gehwegplatten.

Wobei es offiziell keine "Unkräuter" gibt. Sie sind eigentlich Gewächse, für die wir nur noch keine Verwendung gefunden haben...

 

Alle Rechte für die hier aufgeführten Werke und Texte liegen bei Dorothea Möller

 

 


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